Berlusconi lotst die Mächtigen der Welt ernsthaft ins Erdbebengebiet

Rom. Manche dachten an einen späten Aprilscherz des "Cavaliere". Silvio Berlusconi hat sein Kabinett etwas ziemlich Überraschendes absegnen lassen: Der Anfang Juli auf Sardinien vorbereitete G8-Gipfel soll kurzerhand in die geschundene Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila verlegt werden. Wirklich so überraschend? Der Milliardär war schon immer für verblüffende Vorstöße gut

Rom. Manche dachten an einen späten Aprilscherz des "Cavaliere". Silvio Berlusconi hat sein Kabinett etwas ziemlich Überraschendes absegnen lassen: Der Anfang Juli auf Sardinien vorbereitete G8-Gipfel soll kurzerhand in die geschundene Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila verlegt werden. Wirklich so überraschend? Der Milliardär war schon immer für verblüffende Vorstöße gut. Berlusconi schwimmt in Italien auf einer Welle der Popularität, auch wenn die internationalen Medien ihn ganz anders ins Rampenlicht stellen. Nach dem verheerenden Beben vom 6. April mit fast 300 Toten war er ständig bei den Betroffenen. Als Italien zusammenstand und die Hilfe klappte, kam das auch dem allzeit präsenten Berlusconi zugute. Jetzt will er sich die Krone aufsetzen - und die Welt aufmerksam auf die verwüstete Bergregion machen, mit der Verlegung sehr viel Geld sparen, das dringend in den Abruzzen gebraucht wird, und sich von den Italienern feiern lassen. Was er sich da ausgedacht hat, könnte ein höllisches Szenario für den Secret Service und all die anderen Sicherheitsbeamten werden. Doch Berlusconi beschwichtigt schon: Globalisierungsgegner würden es doch wohl nicht wagen, in der vernichteten Stadt auf den Putz hauen zu wollen: "Die Lage ist unter Kontrolle." Bis zum Gipfel sind es nur noch zweieinhalb Monate. L'Aquila liegt weitgehend zerstört danieder. Die riesige Organisations-Maschinerie für die Tausenden von Mitarbeitern, Diplomaten, Journalisten und Sicherheitsleuten müsste gebremst und umgeleitet werden. Zumindest weiß Berlusconi bereits, wo die Großen sich treffen - im Ausbildungszentrum der Finanzpolizei, in dem Italien Abschied von den Opfern nahm.

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