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Befreiungsschlag im Sündenpfuhl

Befreiungsschlag im Sündenpfuhl

Paris. Diskreditiert, lächerlich gemacht und die Reputation im freien Fall: Dominique Strauss-Kahn, einst der mächtigste Banker der Welt, steckt mit beiden Beinen im Morast eines Sündenpfuhls. Immer neue pikante, auflagensteigernde Enthüllungen und Details aus dem offenbar recht ausschweifenden Privatleben des ehemaligen IWF-Chefs füllen nicht nur Pariser Klatschblätter

Paris. Diskreditiert, lächerlich gemacht und die Reputation im freien Fall: Dominique Strauss-Kahn, einst der mächtigste Banker der Welt, steckt mit beiden Beinen im Morast eines Sündenpfuhls. Immer neue pikante, auflagensteigernde Enthüllungen und Details aus dem offenbar recht ausschweifenden Privatleben des ehemaligen IWF-Chefs füllen nicht nur Pariser Klatschblätter. Als "Sex-Banker" wird er in den Medien tituliert. DSK - wie er von seinen Weggefährten genannt wird - findet sich plötzlich einsam, geächtet und im verzweifelten Abwehrkampf gegen Justiz und Medien wieder.In dieser Notlage erschien gestern ein Buch von DSK-Biograf Michel Taubmann mit dem beziehungsreichen Titel "Affäre DSK - die Gegenuntersuchung" auf dem Markt. Er begibt sich an den Ursprung des Dammbruchs, der die zahlreichen Enthüllungen, Vorwürfe und Affären erst ermöglichte: die vermeintliche Vergewaltigung eines Zimmermädchens durch Strauss-Kahn in New York. Kurz vor dem geplanten Höhepunkt seiner politischen Karriere - der Kandidatur als sozialistischer Herausforderer von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy - fällten die Vorwürfe ihn wie einen morschen Baum. Ein Komplott sei nicht auszuschließen, lautet das Fazit. Das hatte auch Strauss-Kahn selber nach seiner Rückkehr aus den USA in einem französischen TV-Interview gemeint. Man werde sehen, hatte er vielsagend erklärt.

Der US-Journalist Edward Epstein will irritierende Unregelmäßigkeit entdeckt haben - Taubmann frischt dessen Komplott-Verdacht in gewisser Weise neu auf. Er spricht nach Angaben von Insidern, die das Buch gelesen haben, von einem "einvernehmlichen, aber dummen Sex-Kontakt" mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo am 14. Mai dieses Jahres. Diese unselige Angelegenheit habe schwerwiegende Folgen gehabt, heißt es in dem Buch. Sein Autor setzte gestern im französischen Fernsehen noch nach: Diallo habe dem nackt aus der Dusche kommenden DSK mit eindeutigen Blicken auf dessen Geschlecht eine Fellatio angeboten, die der dummerweise auch angenommen habe.

Die Sex-Episode mit Diallo sei inszeniert worden, um den Hoffnungsträger der Sozialisten für das Präsidentenamt in Frankreich zu destabilisieren, sagte Taubmann im Radiosender France-Info. Wie schon Epstein führt er als Beleg das mysteriöse Verschwinden von DSKs Blackberrys - das Zimmermädchen hätte es durchaus stehlen können, meinte er. Und hatte es da nicht zuvor Hinweise gegeben, DSK werde abgehört? Ein Komplott gar von Präsident Nicolas Sarkozy, der den erfolgreichen Herausforderer in spe loswerden wollte? Diallos US-Anwälte wiesen die Komplott-Spekulationen nach französischen Medienberichten als "totalen Wahn" und "absurd" zurück. Innenminister Claude Guéant sprach schon zuvor von blühender Fantasie, der Chef von Sarkozys UMP-Partei, Jean-François Copé, rümpfte nur kurz die Nase.

Die Weiterungen der Zimmermädchen-Affäre - sie hatte auch zum Rücktritt Strauss-Kahns als IWF-Chef geführt - sorgen in Frankreich kaum noch für Aufregung. Die immer zahlreicheren Sumpfblasen rund um das Kürzel DSK mit Gruppensex-Partys und Callgirls, die unter tatkräftiger Hilfe eines ranghohen Polizisten eingeflogen wurden, haben den Franzosen das Staunen ein wenig abhandenkommen lassen. Selbst in Strauss-Kahns politisch-linken Lager beginnt Verdruss über die weiteren Enthüllungen einzusetzen.

 Strauss-Kahn spricht von einem "einvernehmlichen, aber dummen Sex-Kontakt". Foto: Laurent/dpa
Strauss-Kahn spricht von einem "einvernehmlichen, aber dummen Sex-Kontakt". Foto: Laurent/dpa

Der sozialistische Euro-Kritiker Arnaud Montebourg ist einfach nur froh, dass die DSK-Affäre so früh hoch kam und nicht erst nach einer Inthronisierung als Sarkozy-Herausforderer. Die Ex-Chefin der Kommunistischen Partei (PCF), Marie-George Buffet, meinte gestern: "Es reicht! Es ist nicht normal, eine Frau anzuspringen, selbst wenn sie Ihnen einen Blick zugeworfen hat. Was ist das für ein Verhalten?"