Banges Warten auf die Helfer

Angst, Verzweiflung, Wut: Bei den Überlebenden des Taifuns „Haiyan“ auf den Philippinen liegen die Nerven blank. Es wird befürchtet, dass die Lage außer Kontrolle gerät, wenn nicht bald Hilfe eintrifft.

Eine junge Frau streckt die Arme über den Zaun am Flughafen. Mit Tränen in den Augen fragt sie: "Habt ihr Wasser?" Ihre Stimme ist rau. Hinter ihr wird geschubst und gestoßen. Die Überlebenden von Taifun "Haiyan" auf den Philippinen warten seit Tagen auf Hilfe. Wo bleiben die Rettungsteams der Regierung? Trauer und Verzweiflung der Opfer schlagen langsam in Wut und Frust um.

"Wir haben nichts, hier kommt nichts an", sagte Gilda Malinao aus Tacloban gestern dem Radiosender DZMM. Der Taifun hat ihre Heimatstadt dem Erdboden gleichgemacht. "Bitte, bitte schickt uns Hilfe, bitte helft uns", fleht sie. Hunderttausende Menschen in der Katastrophenprovinz Leyte teilen ihr Schicksal. Sie haben Freunde und Familie verloren, viele Menschen werden vermisst. Es sind Bilder von unvorstellbarer Zerstörung. Was einst Stadt war, ist nun Trümmerfeld. Von den Häusern und Hütten ist nichts übrig geblieben. Zeugen berichten von starkem Verwesungsgeruch. Der Ausbruch von Seuchen bedroht die Überlebenden. Die Regierung der Philippinen schafft es auch am dritten Tag nach der Katastrophe kaum, Hilfsgüter in alle zerstörten Regionen zu bringen. Hungrige Überlebende plünderten Läden, um an Lebensmittel, Wasser oder Medikamente zu gelangen.

Es wird befürchtet, dass die Lage außer Kontrolle gerät, wenn nicht bald Hilfe eintrifft. Präsident Benigno Aquino versicherte den Menschen, Unterstützung sei unterwegs. Auch er zeigte sich unzufrieden mit dem langsamen Fortschritt. Zerstörte Straßen, Flughäfen und vor allem unterbrochene Kommunikationsverbindungen erschweren den Helfern die Arbeit. Auch die Koordination mit den Behörden vor Ort ist extrem schwierig. "Die Verwaltung vor Ort ist zusammengebrochen", beklagte Aquino. Die Zentralregierung werde nun übernehmen. Militär und Polizei werden entsandt, um weitere Plünderungen zu verhindern. Das Militär bat die Menschen um Geduld: "Wir verstehen ihre Gefühle und ihren Frust, weil es so wenig Informationen gibt", sagte Militärsprecher Ramon Zagala.

Ein Hubschrauber hat die Opfer erreicht. Er bringt Hilfsgüter und rettet Menschen aus dem Katastrophengebiet. Eine Mutter drückt ihr krankes Baby an sich. Ein Helfer hat dem Kind große gelbe Kopfhörer übergestülpt. Angst spiegelt sich in seinen Augen. Der Mutter rinnen Tränen übers Gesicht - ob es Tränen der Erleichterung oder der Verzweiflung sind, weiß nur sie.