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Bahn bespitzelt Mitarbeiter in großem Stil

Bahn bespitzelt Mitarbeiter in großem Stil

Berlin. Bei der Bekämpfung von Korruption im eigenen Unternehmen hat die Deutsche Bahn weit mehr Mitarbeiter heimlich überprüfen lassen als bisher bekannt. Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Wolfgang Schaupensteiner (Foto: dpa), räumte gestern im Verkehrsausschuss des Bundestages ein, dass 173 000 der rund 240 000 Beschäftigten ausgeleuchtet worden seien

Berlin. Bei der Bekämpfung von Korruption im eigenen Unternehmen hat die Deutsche Bahn weit mehr Mitarbeiter heimlich überprüfen lassen als bisher bekannt. Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Wolfgang Schaupensteiner (Foto: dpa), räumte gestern im Verkehrsausschuss des Bundestages ein, dass 173 000 der rund 240 000 Beschäftigten ausgeleuchtet worden seien. Unter den überprüften Personen seien 774 Führungskräfte und 500 Ehepartner gewesen.Von der Überprüfung waren nach Angaben von Sitzungsteilnehmern Daten wie Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen betroffen. Die Daten der Mitarbeiter wurden nach Schaupensteiners Aussage von einer Detektei mit denjenigen von rund 80 000 Lieferanten des Konzerns abgeglichen, um mögliche Verbindungen aufzudecken. Dabei seien rund 300 Auffälligkeiten festgestellt worden. 100 Fälle habe die Bahn weiter verfolgt. Wie viele Korruptionsfälle auf diese Weise konkret entdeckt wurden, blieb allerdings offen. Bislang war lediglich die Überprüfung von rund tausend leitenden Mitarbeitern in den Jahren 2002 und 2003 bekannt gewesen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, kritisierte die Vorgänge scharf. Eine "ungeheure Zahl der Mitarbeiter" sei ohne ihr Wissen "unter eine Art Generalverdacht" gestellt worden, sagte er. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der die Vorwürfe untersucht, kündigte für Februar eine erneute Prüfung bei der Bahn an. Nach seiner Auffassung könnten auf den Konzern in mindestens zwei Fällen Geldbußen von je 250 000 Euro wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen zukommen. Der Chef der Bahngewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, forderte personelle Konsequenzen, falls sich die Vorwürfe bestätigten. Die Mitarbeiter seien zutiefst empört über das Misstrauen der Unternehmensführung, erklärte Hommel. Das Ausmaß der Antikorruptions-Maßnahmen liege jenseits jeder Verhältnismäßigkeit. Die Bahn teilte am Abend mit, der Datenabgleich habe nichts mit Ausspähung zu tun und sei rechtlich nicht zu beanstanden. afp/dpa