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Auto-Experte: „Aus für Verbrennungsmotor ist bis 2030 machbar“

Auto-Experte: „Aus für Verbrennungsmotor ist bis 2030 machbar“

Nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen, ist der Umstieg auf emissionsfreie Pkw ab 2030 möglich. Durch „Dieselgate“, also dem VW-Abgasskandal, sei die Branche in Bewegung geraten, sagte der Auto-Experte im Gespräch mit SZ-Korrespondent Hagen Strauß.

Herr Dudenhöffer, ist es machbar, ab 2030 auf Diesel und Benziner zu verzichten?

Dudenhöffer: Das ist machbar. Die Autobauer sagen bereits, dass sie schon bis 2025 an die 30 Prozent Elektroautos haben werden. Wenn man es also wirklich will, ist es umsetzbar.

Bisher hieß es oft, die Industrie habe die Entwicklung im Elektrosegment verschlafen. Ist das falsch?

Dudenhöffer: Für die Industrie gilt immer: Sie braucht einen Rahmen, und dann agiert sie. Wenn die Politik den Diesel subventioniert, wie das bisher der Fall ist, und sie trotz seiner Emissionen weiter so tut, als sei alles in Ordnung, werden die Autobauer nichts ändern. Gibt es aber andere und neue Rahmenbedingungen, wie jetzt nach Dieselgate, dann schon.

Die Regierung hat eine Kaufprämie für E-Autos eingeführt. Warum wird sie nicht angenommen?

Dudenhöffer: Die Kaufprämie ist aus mehreren Gründen ein Flop. Erstens gibt es zu wenig Ladestationen. Zweitens sind die Verbraucher überhaupt nicht darauf vorbereitet worden. Sie sollen jetzt eine neue Technik kaufen, von der sie nur Negatives gehört haben, und dann bekommen sie 4000 Euro geschenkt - das macht keiner. Das heißt, der Kunde muss zum Beispiel über Car-Sharing-Systeme Stück für Stück mit der Technik vertraut gemacht werden. Außerdem müssen die Autos auch entsprechende Reichweiten haben, wie das jetzt zunehmend der Fall ist.

Werden Autos durch den Umstieg teurer werden?

Dudenhöffer: Nein. Die Autobauer produzieren zunehmend in größeren Serien, deswegen werden die Fahrzeuge billiger. Die E-Technik hat sich deutlich weiterentwickelt, und sie wird sich noch weiterentwickeln. Den Diesel , den man heute kaufen kann, wird man als hundertprozentiges Elektroauto 2030 bekommen. Und wir hätten dann auch eine Ladeinfrastruktur mit Schnellladesäulen, so dass man in zehn oder 20 Minuten die Fahrzeuge aufladen kann und sie dann 500 Kilometer Reichweite haben. Alles, was wir heute kennen, ändert sich durch Dieselgate.

Inwiefern?

Dudenhöffer: Mit Dieselgate hat die große Käufer-Verunsicherung eingesetzt, er verliert in rasantem Tempo Marktanteile. Und alle Anzeichen sprechen dafür, dass sich die Talfahrt in den nächsten Monaten weiter beschleunigt. Das wird auch die Gewinne der Autobauer tangieren. Die Diskussionen um blaue Umweltplaketten und Diesel-Fahrverbote in deutschen Großstädten setzen ihm zu. Sobald die erste Durchfahrtsperre ausgesprochen wird, werden auch die Gebrauchtwagenpreise für Diesel-Pkw fallen. Mein Fazit: Ein Jahr nach dem VW-Skandal ist deutlich erkennbar, dass sich die Welt der Autobauer geändert hat. Man ist dabei, schneller Auswege aus dem Diesel zu finden.