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Aus für alte Atommeiler so gut wie sicher

Aus für alte Atommeiler so gut wie sicher

Berlin. Schutz vor Hochwasser, Erdbeben und Flugzeugabsturz: Die Sicherheit der 17 deutschen Atommeiler kommt detailliert auf den Prüfstand. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU, Foto: dapd) stellte gestern den Katalog für die Überprüfung vor

Berlin. Schutz vor Hochwasser, Erdbeben und Flugzeugabsturz: Die Sicherheit der 17 deutschen Atommeiler kommt detailliert auf den Prüfstand. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU, Foto: dapd) stellte gestern den Katalog für die Überprüfung vor. Demnach soll unter anderem die Widerstandsfähigkeit der Meiler bei Ereignissen wie Staudamm-Brüchen und starken Beben, aber auch bei Flugzeugabstürzen und Terror-Anschlägen untersucht werden. Dieser so genannte Stresstest habe ein "weltweit führendes Niveau", sagte Röttgen.Wegen der Atomkatastrophe in Japan stehen die sieben ältesten Atomkraftwerke (AKW) sowie der norddeutsche Meiler Krümmel vorerst für drei Monate still. Ob sie wieder ans Netz dürfen, wird auf Basis der Prüfergebnisse entschieden. Da der Bau einer dickeren Hülle für die vor 1980 ans Netz gegangenen AKW kaum rentabel ist, sind sie vom Aus bedroht. Der Energieversorger RWE kündigte an, gegen die Abschaltung seines Atommeilers Biblis zu klagen. Konkurrent Eon dagegen, der Isar I und Unterweser betreibt, verzichtet auf eine Klage.

Röttgen will bis Mitte Juni einen neuen Atom-Konsens mit allen Parteien und der Wirtschaft erreichen. Die Experten der Kommission für Reaktorsicherheit sollen deshalb bis zum 15. Mai einen Bericht vorlegen, der als Basis für die politische Entscheidung dienen soll. Die Opposition kritisierte Röttgens Stresstest jedoch als Täuschungsmanöver. Die Risiken der Kraftwerke seien seit Jahren bekannt, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte den Prüfkatalog "unverbindlich und schwammig".

Mehr als 300 Wissenschaftler forderten in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen schnellen Ausstieg aus der Kernkraft. Die Risiken katastrophaler Ereignisse wie in Japan dürften nicht länger in Kauf genommen werden, heißt es darin. Mit Öko-Energien und neuer Technik zur Energie-Einsparung könnten alle Atommeiler spätestens 2020 abgeschaltet werden. , A 4: Meinung dpa/dapd/afp