Aus dem Gericht ins Gefängnis

New York. Ginge es nach Matt Weinstein hätte Madoff schon die letzten Wochen im berüchtigten "Metropolitan Correctional Center" gesessen. Nicht unter Hausarrest in seiner schicken Sieben-Millionen-Penthouse-Wohnung in der Upper-East-Side von New York. "Das ist wirklich unerhört", regt sich eines der tausenden Opfer des größten Scharlatanen der Finanzgeschichte auf

New York. Ginge es nach Matt Weinstein hätte Madoff schon die letzten Wochen im berüchtigten "Metropolitan Correctional Center" gesessen. Nicht unter Hausarrest in seiner schicken Sieben-Millionen-Penthouse-Wohnung in der Upper-East-Side von New York. "Das ist wirklich unerhört", regt sich eines der tausenden Opfer des größten Scharlatanen der Finanzgeschichte auf. Die Wut scheint verständlich. Hatte Weinstein doch seine gesamten Lebensersparnisse Madoff anvertraut. Mit Befriedigung registriert er die Entscheidung von Richter Denny Chin, die Kaution auszusetzen und Madoff nach einem Auftritt vor dem zuständigen Bundesgericht in Lower Manhattan direkt ins Gefängnis zu schicken. Vermutlich bis ans Ende des Lebens, da sich das Schuldeingeständnis in den elf Anklagepunkten zu einem Strafmaß von 150 Jahren addieren könnte. Wie Weinberg geht es vielen der 150 Zuschauer, die dem Drama im Gerichtssaal gestern gebannt folgen. "Schuldig" nuschelt der einstmals bewunderte Zampano der Wallstreet kurz nach 10 Uhr kleinlaut zu den elf Anklagepunkten, die Richter Chin verliest. Mit gefalteten Händen und starrer Miene lässt er auf der Anklagebank den Katalog an Vorwürfen über sich ergehen. Statt gegenüber seinen Opfern echte Reue zu signalisieren, verfolgt Madoff in seinen Ausführungen vor Gericht die Strategie, seine Familie vor einer Verurteilung zu schützen. Er unterscheidet zwischen dem Schneeball-System, mit dem er seit den 80er Jahren einen dreistelligen Milliardenbetrag veruntreute, und anderen Geschäftsbereichen, die Mitglieder seiner Familie leiteten. Diese Aktivitäten seien "legal" gewesen. Richter Chin akzeptiert das Schuldeingeständnis, das nicht das Ergebnis eines Handels zwischen Staatsanwaltschaft und Madoff war. Sehr zum Ärger der Opfer, die darauf gehofft haben, in einem ausführlichen Geschworenen-Verfahren mehr über mögliche Mittäter und Profiteure des Pyramidenmodells in Erfahrung zu bringen. Der Pseudo-Investor hatte im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte zuletzt 4800 Kunden-Konten geführt. Bei seiner Festnahme im Dezember wiesen die Auszüge ein Guthaben von rund 65 Milliarden US-Dollar aus. Auf dem Papier. Die Behörden konnten von dem Geld ungefähr eine Milliarde sicherstellen. Der überwiegende Teil des Restbetrags dürfte nicht mehr vorhanden sein. Ausgegeben für die versprochenen Renditen früherer Investoren und als Kommissionen für seinen aufwändigen Lebensstil. Dass Richter Chin in dieser Phase des Prozesses und nicht erst bei der Urteilsverkündigung am 16. Juni die Geschädigten zu Wort kommen lässt, ist indes so ungewöhnlich wie der Fall selbst. Mehrere Betroffene lassen im Gerichtssaal ihrer Wut freien Lauf. Andere wie Ronnie Sue Avesino machen noch einmal die menschliche Dimension des Betrugs klar. Sie und ihr Mann Domenique verloren ihre gesamten Rentenersparnisse von 1,5 Millionen US-Dollar an Madoff. Dass dieser nun den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringt, ist für sie nur ein schwacher Trost.

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