Auf Niedersachsen lastet das radioaktive Erbe

Auf Niedersachsen lastet das radioaktive Erbe

Hannover/Gorleben. Allenfalls in einem Punkt scheint sich die Politik einig: Radioaktiver Atommüll aus Kernkraftwerken muss im eigenen Land entsorgt werden. Ein Export ist für alle Parteien tabu. Dennoch birgt die Frage, wohin mit dem nuklearen Abfall, einen schon seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt

Hannover/Gorleben. Allenfalls in einem Punkt scheint sich die Politik einig: Radioaktiver Atommüll aus Kernkraftwerken muss im eigenen Land entsorgt werden. Ein Export ist für alle Parteien tabu. Dennoch birgt die Frage, wohin mit dem nuklearen Abfall, einen schon seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Niedersachsen steckt dabei in einem besonderen Dilemma: Das nördliche Bundesland - besonders reich an Salzstöcken - trägt mit gleich mehreren Entsorgungs-Projekten die größten Lasten aus der umstrittenen Nutzung der Atomenergie in Deutschland. Ministerpräsident David McAllister (CDU) schielt jetzt vor allem auf einen finanziellen Ausgleich für das Bundesland. Die Opposition fordert Regierungschef McAllister dagegen auf, er müsse sich klar gegen ein Endlager im Salzstock in Gorleben stellen. Die Christdemokraten in Hannover reagieren aber stattdessen vor allem auf forsche Töne aus Süddeutschland. Parteifreunde in Bayern oder Baden-Württemberg, die sich allzu deutlich auf Gorleben festlegen wollen, bekommen brüsk zur Antwort, sie sollten sich in ihren eigenen Ländern nach geeigneten Endlager-Standorten umsehen. Klagewellen und schwere Pannen im Umgang mit den strahlenden Stoffen schüren immer neues Misstrauen bei den Bürgern in Niedersachsen. "Die Bevölkerung lässt sich in der Atomfrage nicht mehr einlullen", hatte die Bürgerinitiative im Wendland kritisiert. Klar ist, dass vor allem der hoch radioaktive Abfall erst einmal zum Abkühlen gelagert werden muss, bevor er dauerhaft unter der Erde entsorgt werden kann. Ein zentraler Ort dafür ist das Zwischenlager Gorleben im niedersächsischen Wendland. Für Grüne, SPD, Linke und viele Atomkraftgegner ist der Salzstock aber geologisch ungeeignet. Sie verweisen auf das Desaster im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel - es handelt sich um Salzgestein wie in Gorleben. Die Politik scheint sich nach Jahrzehnten auch einig, dass im instabilen Asse-Schacht nie Atommüll hätte gelagert werden dürfen - in den 60er Jahren war die Grube aber schnell und günstig zu erwerben. Jetzt sollen in einem weltweit einmaligen Vorhaben die 126 000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen wieder herausgeholt werden - ein Wettlauf gegen die Zeit, weil der Schacht abzusaufen droht. Solche Probleme sind im Schacht Konrad nicht bekannt: Das Eisenerzbergwerk in Salzgitter wurde als Endlager ausgewählt, weil es als besonders trocken galt. Jetzt könnte sich der Betrieb des dringend benötigten Atomlagers, das nach einer Klageflut genehmigt wurde, um mehrere Jahre bis 2019 verzögern. dpa

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