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Atom-Ausstieg macht Strom nicht teurer

Atom-Ausstieg macht Strom nicht teurer

Berlin. Der Großhandelspreis für Strom wird durch den Atom-Ausstieg nur mäßig steigen. Das belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Umwelt-Organisation Greenpeace. Den Effekt des Ausstiegs auf den Preis an der Strombörse beziffern die Experten bis zum Jahr 2020 mit plus 0,2 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde

Berlin. Der Großhandelspreis für Strom wird durch den Atom-Ausstieg nur mäßig steigen. Das belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Umwelt-Organisation Greenpeace. Den Effekt des Ausstiegs auf den Preis an der Strombörse beziffern die Experten bis zum Jahr 2020 mit plus 0,2 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2030 könne der Großhandelspreis zwischen 0,4 und 1,1 Cent steigen. Die erwartete Erhöhung bewegt sich damit bis 2020 zwischen vier und zwölf Prozent, das sind zwischen 0,5 und 1,5 Prozent pro Jahr.Allerdings macht der Großhandelspreis nur 35 Prozent der privaten Stromkosten aus, wie DIW-Expertin Claudia Kemfert erklärte. Der Rest wird für Netzentgelte, Steuern und die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgewendet. In diesem Bereich sei mit "Steigerungen" zu rechnen, sagte Kemfert. Während die Expertin keine "Strompreis-Explosion" erwartet, geht der Energieversorger Vattenfall von einer satten Erhöhung aus. "Die Stromrechnung für Privatkunden wird 2020 wahrscheinlich 30 Prozent höher sein als heute", sagte Vorstandschef Tuomo Hatakka. Doch selbst diese Prognose würde einen langsameren Anstieg als bisher bedeuten: Heute zahlen Verbraucher über 40 Prozent mehr für ihren Stromverbrauch als noch 2005.

Nach Berechnungen des DIW lässt sich der Preisanstieg, der durch den Verzicht auf Atomkraft verursacht wird, mittels Energie-Einsparungen deutlich abmildern oder sogar ausgleichen. Auch Greenpeace-Experte Niklas Schinerl sagte, nicht der Energiewende gebühre der "Schwarze Peter" für steigende Preise, sondern der Bundesregierung. Sie habe "ihre Hausaufgaben im Bereich der Effizienzpolitik nicht gemacht". Schinerl forderte deshalb ein nationales Energiespargesetz. dapd/dpa/afp

Foto: dapd

Hintergrund

Die Produktion von Solarstrom ist im ersten Halbjahr 2012 um 50 Prozent nach oben geschnellt. Rund 1,2 Millionen Anlagen lieferten von Januar bis Juni 14,7 Milliarden Kilowattstunden Strom, wie aus Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft hervorgeht. Damit wurde der Bedarf von 8,4 Millionen Haushalten gedeckt. afp