Apokalyptische Augenblicke

Saarbrücken. Nur wenige Augenblicke dauert es. Dann sind Hunderttausende tot. Sie sind am zweiten Weihnachtstag 2004 einem Tsunami zum Opfer gefallen. Die "Killerfluten" und das "unfassbare Leid" der Menschen beherrschen wochenlang die Schlagzeilen der Saarbrücker Zeitung

Saarbrücken. Nur wenige Augenblicke dauert es. Dann sind Hunderttausende tot. Sie sind am zweiten Weihnachtstag 2004 einem Tsunami zum Opfer gefallen. Die "Killerfluten" und das "unfassbare Leid" der Menschen beherrschen wochenlang die Schlagzeilen der Saarbrücker Zeitung. "Ein verheerendes Erdbeben mit einer Stärke von 8,9 auf der Richterskala hatte die Flutwellen ausgelöst", erklärte die SZ. Augenzeugen berichteten von "zehn Meter hohen Wasserwänden, die in rasender Geschwindigkeit auf Strände zurollten und Urlauber und Fischer mit aufs offene Meer rissen". Am Ende sollten es "unvorstellbare 230 000 Todesopfer" sein. In der Silvester-Ausgabe konnte die SZ nur noch feststellen: "Nun wohnt im Tropenparadies der Tod", denn "die Menschen in Südostasien haben die Apokalypse erlebt"."Unfassbares Leid" überschattete auch die letzten Tage des Jahres 1908. Damals hatte ein Erbeben mehr als 100 000 Menschenleben gefordert - diesmal in Süditalien. Am Morgen des 28. Dezembers brauchte die Natur nur wenige Augenblicke, um ihr "zerstörerisches Werk" zu vollbringen, schrieb die SZ. Die losgebrochenen Naturgewalten hätten "die schlafenden Städte und Dörfer in apokalyptische, wüste Landschaften" verwandelt. "Das Unglück übersteigt jede menschliche Einbildungskraft."

Doch nicht nur Leidvolles mussten die Leser in der letzten Kalenderwoche in 250 Jahren SZ-Geschichte lesen. Manchmal auch Kurioses wie am 28. Dezember 1982. "Der Mann des Jahres ist Mister Computer", titelte das Blatt. Die alljährliche Auszeichnung des New Yorker "Time"-Magazins ging an eine Maschine - weltweit höchst umstritten. Das Magazin sei sicher, so die SZ, dass "Computer in allernächster Zukunft in den Haushalten bereits ebenso üblich sein würden wie Fernsehgeräte oder Geschirrspülmaschinen".

Völlig unstrittig aus der Mode war im selben Jahr dafür die "Prinz-Heinrich-Mütze" geworden. Altkanzler Helmut Schmidt hatte sie einst populär gemacht. Doch nachdem Helmut Kohl das Zepter übernahm, hingen auch "Bonns Beamte die Kanzlermütze an den Nagel", schrieb die SZ am 29. Dezember 1982. Kein einziger würde die Schirmmütze mehr tragen, stöhnten die Hutmacher. "Die neuen Herren könnten sonst womöglich meinen, dass unter der Mütze ein Schmidt-Anhänger steckt", zitierte das Blatt einen Beamten. Die Hutmacherbranche hoffte nun auf den wohlbeleibten Pfälzer. "Wenn sich Kohl doch auch eine originelle Kopfbedeckung einfallen ließe, er würde sicher viele Nachahmer finden", träumte der Chef eines Bonner Hutladens. Doch Kohl ging am liebsten "oben ohne".

17 Jahre später sollte es wieder um Kohls Kopf gehen. Diesmal hatte ihn die Bonner Staatsanwaltschaft im Visier. Sie leitete gegen den Kanzler der Einheit wegen der Spendenaffäre ein Ermittlungsverfahren ein. Kohl hatte zwischen 1993 und 1998 "zwei Millionen Mark in bar entgegen genommen und auf geheimen Konten zwischengeparkt". Die Namen der Spender wollte er nicht nennen. Er habe ihnen sein "Ehrenwort" gegeben - und schien "immer weniger bereit, es brechen zu wollen", legte sich die SZ bereits am 27. Dezember fest. Genauso wie auf mögliche Konsequenzen: "Untreue kann hinter Gitter führen", hieß es in der Ausgabe vom 31. Dezember 1999. Rund ein Jahr später stimmen die Richter der Einstellung des Verfahrens gegen den Pfälzer zu. Er muss jedoch eine Geldbuße von 300 000 Mark zahlen. Sein Schweigen hat er bis heute nicht gebrochen.

Was in der letzten Kalenderwoche noch geschah:

27. Dezember 1848: Die Frankfurter Nationalversammlung verkündet in der Paulskirche "Die Grundrechte des Deutschen Volkes".

26. Dezember 1898: Marie und Pierre Curie entdecken das Element Radium und leitet damit das Atomzeitalter ein.

30. Dezember 1916: Der sibirische Mönch und Wunderheiler Grigorij Rasputin wird von Mitgliedern des Zarenhofs in Sankt Petersburg ermordet.

Alle 52 Texte der SZ-Serie gibt es zum Nachlesen im Buch "Saar und Welt im Spiegel der Saarbrücker Zeitung", Gollenstein-Verlag, 120 Seiten, 19,90 Euro.