Kurdengebiete: Angst vor neuem Bürgerkrieg im Irak

Kurdengebiete : Angst vor neuem Bürgerkrieg im Irak

Die irakische Armee rückt in kurdische Gebiete ein. Menschen aus Kirkuk sind bereits auf der Flucht.

Nach dem Vormarsch irakischer Truppen auf Gebiete unter Kontrolle der Kurden wächst im Irak die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg. Einheiten der Armee rückten gestern in die strategisch wichtige Stadt Kirkuk im Norden des Landes ein, wie es aus lokalen Sicherheitskreisen hieß. Dort brachten sie das Gebäude der Provinzregierung sowie den Militärflughafen unter Kontrolle. Regierungskräfte nahmen auch das nahe gelegene Ölfeld Baba Gurgur ein. Kurdische Einheiten leisteten bei dem Vormarsch kaum Widerstand.

Das Kommando der kurdischen Peschmerga-Kämpfer erklärte, der Angriff komme einer „Kriegserklärung“ gleich und stehe unter iranischem Kommando. Die Peschmerga würden Kurdistan verteidigen. Nach Angaben der US-geführten Anti-IS-Koalition kam es auch zu Schusswechseln. Dabei habe es sich aber wohl um ein Missverständnis gehandelt.

Zugleich begann eine Flucht vor allem von Kurden aus Kirkuk. An den Ausfallstraßen in Richtung der kurdischen Städte Erbil und Sulaimanija stauten sich Wagen mit Tausenden Menschen.

Mit der von Ministerpräsident Haidar al-Abadi angeordneten Militäraktion reagiert Iraks Zentralregierung auf das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Norden des Landes. Diese hatten sich im September in einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen.

Die Kurden genießen im Nordirak zwar weitgehende Autonomierechte, streben aber seit Jahrzehnten nach Unabhängigkeit. Bagdad lehnt das Referendum als verfassungswidrig ab und will sich auf Gespräche über eine Abspaltung gar nicht erst einlassen.