Angst vor Ebola: Mitarbeiter im Gesundheitswesen von Liberia werden verstoßen

Angst vor Ebola: Mitarbeiter im Gesundheitswesen von Liberia werden verstoßen

Sie riskieren alles, um anderen zu helfen. Doch in Liberia zahlen die Helfer dafür einen hohen Preis: Anstatt sie als Helden zu feiern, verstößt die Gesellschaft ihre Ärzte, Krankenschwestern und Leichenbestatter.

Jorgbor Guwor hat einen gefährlichen Job: Der 53-Jährige reinigt und desinfiziert Schutzanzüge und medizinische Ausrüstung in einer Ebola-Klinik in Libera. "Wir waschen die Stiefel, Schürzen und Handschuhe, damit sie wieder verwendet werden können", erklärt der Vater von fünf Kindern. Die Anzüge kommen aus dem Hochrisiko-Bereich der Klinik in der Hauptstadt Monrovia . Sie wird von der Hilfsorganisation International Medical Corps betrieben.

Für das Gesundheitspersonal in Liberia ist die Arbeit zur Gefahr geworden. Anstatt wie sonst weiße, gestärkte Krankenhausuniformen warten nun Schutzanzüge und Gesichtsmasken. Bislang hat der Ebola-Ausbruch allein in Liberia mehr als 2300 Menschen das Leben gekostet, darunter viele Ärzte, Krankenschwestern und Helfer.

Guwor zahlt einen hohen Preis dafür, dass er seinen Hochrisiko-Job immer noch macht. Viele Verwandte und Freunde meiden den Kontakt mit ihm. Sie fürchten, dass er infiziert ist. Er fühle sich isoliert und einsam, sagt er. Viele Kollegen hätten ähnliches erlebt. "Die Öffentlichkeit sollte uns nicht stigmatisieren. Denn wenn sich niemand freiwillig meldet, wer soll dann Ebola bekämpfen? Wer soll die Leute behandeln, die uns jetzt zurückstoßen, falls sie sich infizieren?"

Doch die Furcht vor dem unheimlichen tödlichen Fieber sitzt tief. Auch wenn das Virus erst übertragen wird, wenn eine Infizierter Symptome zeigt. Zudem wird Ebola nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Erbrochenem übertragen.

Viele Liberier mit einem Job im Gesundheitsbereich haben begonnen, dies zu verheimlichen. "Wir vermeiden es, unsere Uniformen in der Öffentlichkeit zu tragen, weil uns dann alle meiden", sagt die Krankenschwester Mabel Saybay. Sie zieht sich erst im Krankenhaus um.

Aber die Stigmatisierung nimmt noch viel schlimmere Formen an: Hausbesitzer werfen Menschen, die in Kliniken arbeiten oder Ebola-Tote bergen und bestatten, aus ihren Wohnungen. Sam Kolleh gehört ein Wohnhaus in Monrovia . Er vermiete nicht an Gesundheitspersonal, sagt er. "Nicht, weil ich ihre Arbeit nicht schätze. Aber ich will nicht, dass sich das Virus weiter ausbreitet." Die Regierung solle Zeltlager für die Helfer einrichten, schlägt er vor.

Helfer rauszuwerfen sei "völlig inakzeptabel und unpatriotisch", wütet der stellvertretende Informationsminister Isaac Jackson. "Die Regierung wird das nicht hinnehmen." Warnungen der Behörden vor Strafverfolgung verhallen jedoch ungehört. Die Gemeindeführung in der Stadt Sinyea stellte Helfer kürzlich vor die Wahl: Job aufgeben oder den Ort verlassen. In Lofa im Norden des Landes werden Ärzte und Begräbnisteams immer wieder bedroht und weggejagt.

Trotz Aufklärungskampagnen halte sich in der ländlichen Region hartnäckig das Gerücht, dass die Ebola-Epidemie durch Gesundheitspersonal ausgelöst wurde, sagt ein Helfer aus Lofa. "Die Bewohner glauben, dass die Helfer böse Absichten haben, dass sie herkommen, um die Menschen mit der Krankheit zu infizieren."

Der fatalen Stigmatisierung der Helfer fehle jede Grundlage, betonen Gesundheitsexperten. Ebola-Kliniken zählten zu den sichersten Orten im Land, das Personal sei gut informiert und befolge strenge Regeln. "Wir treffen viele Vorsichtsmaßnahmen", sagt Stuart Sea, Sprecher des International Medical Corps in Guinea . Doch die Angst bleibt. Jeden Tag reisen am Frankfurter Flughafen rund 1,45 Millionen Menschen. Sie stehen zusammen in der Schlange am Schalter, sitzen auf engstem Raum im Flugzeug. Wie schnell würde sich von hier eine Krankheit in Deutschland und der Welt verbreiten? Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken haben sich mit der Gefahr einer Pandemie durch infizierte Fluggäste beschäftigt. Mit einem speziellen Rechenmodell haben sie für jeden Flughafen weltweit das Risiko einer Ausbreitung ermittelt.

Die als Expected Force (ExF) bezeichnete Maßzahl wird zwischen Null und 100 angegeben. Der Flughafen Saarbrücken etwa hat einen Wert von 52, der in Frankfurt den Maximalwert 100. Eine Rolle spielt dabei die Anzahl der Flugrouten, wie oft diese geflogen werden und die Sitzkapazität der Flugzeuge. Die Frage ist, wie hoch das Potenzial ist, dass von einem Knotenpunkt im globalen Netzwerk eine Ereigniskaskade ausgelöst wird. Frankfurt mit seiner starken internationalen Vernetzung weist dabei einen höheren Wert auf als Flughäfen mit noch mehr Passagieren, zum Beispiel Atlanta, Peking oder Chicago.

Insgesamt werteten die Wissenschaftler unter der Leitung von Glenn Lawyer Daten von 3458 Flughäfen mit 68 820 Flugverbindungen und 171 Flugzeugtypen aus. Die Ergebnisse haben sie im Internet auf einer virtuellen Karte bereitgestellt. Diese ermögliche es, "die Infektionswege innerhalb des Netzwerks von Flugverbindungen nachzuvollziehen", erklärt Lawyer. "Man sieht, wie die Weiterverbreitung vom Startpunkt beeinflusst ist." Rechenmodelle wie dieses wecken gerade jetzt Interesse, da Ebola tausende Menschen das Leben kostet. Lawyers Modell ist jedoch nicht auf eine Krankheit zugeschnitten. Dafür müssten medizinische Variablen wie Übertragungswege oder Inkubationszeit einbezogen werden.

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HintergrundDas Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat bisher 117 Freiwillige für einen Einsatz in den Ebola-Gebieten in Westafrika gefunden. Darunter sind 43 Ärzte. Das DRK will in Sierra Leone eine Station für Ebola-Kranke errichten; in Liberia soll ein mobiles Krankenhaus aufgebaut werden.Auch Israel hat spezielle Kontrollen für Reisende aus den drei Ländern eingeführt, die von Ebola am schlimmsten betroffen sind. Einreisende aus Liberia , Guinea und Sierra-Leone sollten ausführlich befragt werden. Im Kampf gegen Ebola forschen auch russische Wissenschaftler an möglichen Impfstoffen gegen das Virus. Die drei Präparate sollen von jetzt an getestet werden. afp/dpa

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