1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Angst vor Bankenbeben kehrt zurück

Angst vor Bankenbeben kehrt zurück

Die Angst vor dem großen Crash ist wieder da. Genau drei Jahre ist es her, dass die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Welt ins wirtschaftliche Chaos stürzte, da machen neue Schlagzeilen von einer sich anbahnenden Finanz- und Wirtschaftskrise die Runde. Die Aktienmärkte gehen in die Knie

Die Angst vor dem großen Crash ist wieder da. Genau drei Jahre ist es her, dass die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Welt ins wirtschaftliche Chaos stürzte, da machen neue Schlagzeilen von einer sich anbahnenden Finanz- und Wirtschaftskrise die Runde. Die Aktienmärkte gehen in die Knie. Dabei streiten sich die Gelehrten: Ist die Lage wirklich so ernst?Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann fühlt sich bereits an den Herbst 2008 erinnert. Damals, am 15. September 2008, erlebte die Finanzwelt eine ihrer dunkelsten Stunden. Nach einem turbulenten Wochenende, an dem eine Krisensitzung die nächste jagte, geschah das Unvorstellbare: Die US-Investmentbank Lehman Brothers kippte nach 158 Jahren um. Die Finanzwelt geriet in Schockstarre, und die Wirtschaft schlitterte in die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit.

Sind wir schon wieder an dem gleichen Punkt wie damals? Nein, sagt der Deutschland-Statthalter des mächtigen Wall-Street-Hauses Goldman Sachs, Alexander Dibelius. "Nicht zuletzt aufgrund der guten Arbeit der Regierungen und der Europäischen Zentralbank ist die Lage stabiler als 2008", sagte er der "Welt am Sonntag". Dibelius verwies darauf, dass Unternehmen und Banken heute mehr Geld auf der hohen Kante hätten - das war 2008 einer der Schwachpunkte. Goldman Sachs hatte das Unglück des Jahres 2008 kommen sehen und war nahezu unbeschadet davongekommen. Haben die Strategen der Investmentbank wieder den richtigen Riecher? Die Börsianer trauen dem Frieden nicht. Der deutsche Aktienindex Dax rutschte gestern zeitweise unter die 5000-Punkte-Marke und damit in Regionen, die die Anleger zuletzt im Sommer 2009 gesehen hatten, als die Finanzkrise in eine Wirtschaftskrise ausuferte.

Damals hatten sich die Finanzfirmen an US-Hypothekenpapieren verspekuliert, die drastisch an Wert verloren, als die Immobilienblase in den Vereinigten Staaten platzte und die Häuserpreise ins Bodenlose stürzten. Heute sind es die überbordenden Staatsschulden, von denen die Gefahr ausgeht. Vor allem Griechenland scheint seine Finanzen einfach nicht unter Kontrolle zu bringen. "Die Gemengelage spitzt sich zu", sagte Analyst Michael Seufert von der NordLB.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wappnet sich nach Medienberichten bereits für den Fall einer griechischen Pleite. Sollte das Land umkippen, könnte es zu einer Kettenreaktion kommen: Jene Banken, die Griechenland Geld geliehen haben, müssten Abermilliarden in den Wind schreiben und gerieten dadurch selbst in Not. Aus Furcht vor einer Bankenpleite könnte der Finanzmarkt wie damals einfrieren.

Vor allem die Aktien französischer Kreditinstitute wie der Crédit Agricole, BNP Paribas oder Société Générale brachen gestern ein, denn die Banken sind stark in Griechenland engagiert. Die Deutsche Bank büßte ebenfalls acht Prozent ein, die Commerzbank verlor sechs Prozent.

Die Anleger stiegen aber auch reihenweise aus Industriekonzernen aus. Denn versiegende Geldströme bedeuten am Ende, dass Unternehmen und Privatleute schwerer an Kredite herankommen - sie müssten Investitionen und Käufe aufschieben. Das wäre der Beginn der nächsten Wirtschaftskrise. "Die Gemengelage spitzt

sich zu."

Analyst

Michael Seufert von der NordLB