1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

„Angela“ und der „liebe Barack“

„Angela“ und der „liebe Barack“

Die große Liebe wird es nie – aber zwischen Angela Merkel und Barack Obama gibt es neue Nähe. Dafür sorgt ausgerechnet Kremlchef Putin. Doch der Ärger über die NSA-Schnüffeleien sitzt bei der Kanzlerin tief.

Es müssen anstrengende Verhandlungen gewesen sein, geht man allein nach dem Mienenspiel. Barack Obama sagt ein paar freundliche Worte zum Auftakt, lobt Angela Merkel als starke Partnerin in der Krise um die Ukraine. Die Kanzlerin ist auch nett, sie bedankt sich beim "lieben Barack" für die Gelegenheit, ausführlich über vieles reden zu können. Aber die Gesichter bleiben angespannt, die Blicke geradezu kühl, als sich beide den Fragen der Presse stellen.

Weißes Haus, Rosengarten. Nach drei Tagen Dauerregen scheint wieder die Sonne, Tulpen blühen, in den Bäumen pfeifen Spatzen. Grillpartyatmosphäre. Hier hat Obama der Bundeskanzlerin die Freiheitsmedaille verliehen, den höchsten Orden, den die Vereinigten Staaten an Zivilisten vergeben. Auf den Tischen standen weiße Kerzen, ein Orchester spielte Beethoven, Händel und Mendelssohn. Knapp drei Jahre ist das her, Edward Snowden war damals noch ein Anonymus in der Schattenwelt der Geheimdienste, Russland galt als Partner, sicher schwierig, aber kein chronischer Störfaktor. Diesmal dreht sich fast alles um Wladimir Putin, den Mann, der, so formuliert es Merkel gleich am Anfang, die Nachkriegsordnung in Europa infrage gestellt hat.

Beide, der Präsident und die Kanzlerin, sprechen von Sanktionen. Im Prinzip sind sie sich einig, das ist es, was sie im Rosengarten herausstellen wollen. Die Unterschiede liegen in den Nuancen. Obama kündigt mit Härte im Blick den "nächsten Schritt" an, Sanktionen, die ganze Sektoren der russischen Wirtschaft treffen sollen, Energie, Finanzen, Rüstung. Sollte der Kreml so stur bei seinem Kurs bleiben, dass die Wahlen in der Ukraine am 25. Mai behindert werden, sagt er, "haben wir vielleicht keine andere Wahl".

Merkel klingt zurückhaltender, sie äußert die Hoffnung, dass Russland seiner Verantwortung noch gerecht werde - "Dafür müssen wir aber Taten sehen". Sanktionen, betont sie, seien kein Selbstzweck, sondern nur zu verstehen in Kombination mit dem Willen zur diplomatischen Konfliktlösung. Nur müsse Putin auch dies begreifen: "Es ist uns ernst, es ist uns ernst mit bestimmten Prinzipien". Später sekundiert auch Obama, man könne sich Sanktionen natürlich nicht so vorstellen, dass bald gar kein Erdöl, kein Erdgas mehr durch Pipelines aus Russland gen Westen ströme, dies sei ja nicht mal in den kältesten Zeiten des Kalten Krieges der Fall gewesen. Merkel, gibt er sich konzilianter, spiele eine "außerordentlich hilfreiche" Rolle, indem sie intensive Kontakte nach Moskau pflege. Es klingt, als wollte er sie machen lassen, während er Putin eher die kalte Schulter zeigt. Es klingt nach Arbeitsteilung, nach dem Wechselspiel von "Good Cop" und "Bad Cop", dem guten und dem bösen Polizisten. Merkel, die Mittlerin.

Das Reizthema, die NSA - Obama geht erst darauf ein, als er danach gefragt wird, in seinem vorbereiteten Statement findet sich kein Wort dazu. "Angela Merkel zählt zu meinen engsten Freunden in der Welt", beteuert er. Es habe ihm wehgetan, wie die Affäre um ihr abgehörtes Handy die Beziehungen belastet habe. Der Rest bleibt im Vagen. Dass die USA der Bundesrepublik ein No-Spy-Abkommen angeboten hätten, sei nicht ganz richtig, beharrt der Gastgeber. Sein Land habe mit keinem Staat des Planeten ein solches Abkommen. Es gebe noch einige Schwierigkeiten zu überwinden, zieht sich die Kanzlerin diplomatisch aus der Affäre. Es gebe deutsch-amerikanische Differenzen, was die Balance angehe zwischen Schutz vor Gefahren einerseits und dem Schutz der Privatsphäre andererseits. Sie sei froh, dass man nun darüber rede, in einem Cyber-Dialog auf Expertenebene. Kein Zweifel, die Kanzlerin hängt den Streit niedrig.

Dass das Verhältnis zwischen Kanzlerin und US-Präsident weit von normal entfernt ist, darauf weist der anschließende Termin hin: Merkel redet vor der US-Handelskammer über das geplante Freihandelskommen. Aus dieser Kammer kommt immer wieder massive Kritik an der Politik des Präsidenten.