Alle Parteien haben ihre Spitzekandidaten für die Europawahl nominiert.

Die Spitzenkandidaten : Das deutsche Starterfeld für die Europawahl steht

Gestern wählte die FDP auf ihrem Parteitag in Berlin Generalsekretärin Nicola Beer zur Frontfrau für die Europawahlen am 26. Mai bestimmen. Damit haben alle im Bundestag vertretenen Parteien ihre Spitzenkandidaten gekürt oder zumindest nominiert.

Wer geht für wen ins Rennen?

FDP Nicola Beer (49) soll die Liberalen wieder ins Europaparlament steuern. Mit einem Programm, das die Erneuerung der EU „an Haupt und Gliedern“ vorsehe, so Beer am Freitag in Berlin. Allerdings wird ihre Wahl überschattet von dem Vorwurf, mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban zu sympathisieren. Das hatte der „Spiegel“ berichtet. Die in dem Artikel gemachten Unterstellungen seien „falsch“, so Beer. Sie habe auch „keine privaten Beziehungen“ zu Mitgliedern von Orbans rechtsgerichteter Fidesz-Partei. Beer will auf dem Parteitag das Thema „pro-aktiv“ ansprechen. Möglich, dass sie einen Dämpfer hinnehmen muss.

GRÜNE Die Grünen gehen mit zwei ausgewiesenen Europakennern in den Wahlkampf – mit Ska Keller (36), die auch die europäischen Grünen anführen wird, und dem EU-Abgeordneten Sven Giegold (48). Keller sitzt seit 2009 im Straßburger Parlament und ist seit 2016 Chefin der Fraktion der Grünen. Giegold ist ebenfalls seit 2009 EU-Abgeordneter. Beide wollen sich entschieden gegen Rechtspopulisten positionieren: Europa bedeute „Freiheit, nicht Festung“.

AFD Partei-Chef Jörg Meuthen (57) wird die AfD in die Wahl führen. Meuthen, der schon im Europarlament sitzt, plädiert nicht für einen EU-Austritt Deutschlands. „Wir treten nicht an, um die EU kaputt zu machen“, betont er. Die AfD werde aber die Mehrheitsverhältnisse im Parlament „ganz entschieden verändern“. Meuthen will die EU zurückbauen zu einer „im Wesentlichen ökonomischen Kooperation“.

LINKE Der EU-Parlamentarier Martin Schirdewan (43) und die ehemalige nordrhein-westfälische Linken-Chefin Özlem Demirel (34) sollen im Februar zu Spitzenkandidaten der Linken gewählt werden. Beide sind in Deutschland reichlich unbekannt. Laut Parteichef Bernd Riexinger stehen sie „gegen Abschottung und Ausgrenzung“ und für eine Europapolitik, die Steuerhinterziehung und Lohndumping den Kampf ansage.

SPD Die SPD versucht es mit einem prominenten Aushängeschild: Justizministerin Katarina Barley (50) soll als Frontfrau für die Europawahlen den Abwärtstrend der Genossen endlich stoppen. Gelingt ihr das nicht, dürfte eine Debatte um Parteichefin Andrea Nahles entbrennen. Barley sagt: Die EU sei der Garant für den Frieden in Europa, „wir dürfen nicht stehen bleiben, wir müssen Europa weiterentwickeln“.

CDU und CSU Die Unionsparteien starten mit dem CSU-Europapolitiker Manfred Werber (46) das Rennen. Weber, der seit 2004 EU-Parlamentarier ist, hat auch gute Chancen, der nächste Kommissionspräsident zu werden. Denn er führt gleichzeitig die Europäische Volkspartei an, also den Zusammenschluss der Konservativen. Er stehe für „Stabilität und Sicherheit“, so Weber. Sein Erfolg ist auch für die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wichtig – die Europawahl gilt als ihr erster Härtetest im neuen Amt.

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