Neues kriminelles Netzwerk?: „Al-Salam“ im Visier der Ermittler

Neues kriminelles Netzwerk? : „Al-Salam“ im Visier der Ermittler

„Al Salam“ steht für Frieden auf Arabisch. Groß ist der Schriftzug auf ihren Motorrad-Kutten zu lesen, eine weiße Taube gehört zum Erkennungszeichen.

Als friedfertige, internationale und gottgläubige Motorradfahrer-Truppe präsentieren sich die Männer in „Al-Salam“-Lederwesten auf Fotos bei Facebook oder in einem Video bei YouTube. Doch aus Sicht der nordrhein-westfälischen Polizei dürfte hinter der Gruppierung mehr stecken. Am Mittwoch stand sie im Fokus einer großangelegten Razzia.

Die Durchsuchungen richteten sich nach Angaben der zuständigen Essener Staatsanwaltschaft gegen 34 Beschuldigte, entweder Mitglieder von „Al-Salam-313“ oder zum Umfeld gehörend. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak oder Syrien. Es gehe um den Verdacht des Drogen- und Waffenhandels, der Schleuserkriminalität und des Fälschens von Ausweisen und Sprachzertifikaten - kurzum: um Verstrickungen in die Organisierte Kriminalität.

Nach monatelangen Ermittlungen folgte am Mittwoch in den frühen Morgenstunden in Nordrhein-Westfalen eine landesweite Aktion, bei der die Ermittler vor allem Beweise sicherstellen wollten. Schwerpunkte waren der Raum Köln und das Ruhrgebiet. 800 Polizisten durchsuchten 49 Wohnungen und Geschäftsräume, kassierten Computer, Handys und andere Datenträger ein, die nun ausgewertet werden sollen. Auch Falschgeld im fünfstelligen Bereich, Bares und Drogen seien sichergestellt worden. Ein Mann wurde festgenommen.

Mit „Al-Salam-313“ tritt offenbar ein neuer Player auf: Dass sich schiitische Iraker zu mutmaßlich kriminellen Netzwerken zusammenschlössen, sei eine „neue Dimension“, sagte etwa der Islam-Experte und Clan-Forscher Ralph Ghadban. Es sei davon auszugehen, dass sie zwischen 2013 und 2015 ins Land gekommen seien und sich dann binnen kurzer Zeit zu mutmaßlich kriminellen Netzwerken zusammengeschlossen hätten.

Arndt Sinn, Experte für Organisierte Kriminalität an der Universität Osnabrück, sagte: „Wir scheinen es hier mit einem Phänomen zu tun zu haben, dass sich erst jetzt neu an der Oberfläche zeigt.“ Was genau hinter der Organisation stecke und wie verstrickt sie in kriminelle Strukturen sei, liege nun im Fokus der Ermittler.

In den Lagebildern zu Organisierter Kriminalität auf Bundes- und NRW-Ebene wurde „Al-Salam-313“ bislang nicht genannt. Nach monatelanger Vorbereitung der jetzigen Razzia fange die Arbeit nun erst an, betonte auch NRW-Innenminister Herbert Reul. Festlegen, ob die Gruppe als Clan oder Rockergruppe einzuordnen ist, wollte sich der CDU-Politiker in einem ersten Statement jedoch nicht.

Trotz Ähnlichkeit im optischen Auftritt sah das Landeskriminalamt bislang keinen Anlass, den Zusammenschluss auf eine Stufe zu stellen mit den sogenannten „Outlaw Motorcycle Gangs“, zu denen „Hells Angels“ und „Bandidos“ gehören. Auch als „rockerähnlich“ will das Landeskriminalamt „Al-Salam-313“ nicht einstufen - bisher jedenfalls nicht.

Die Essener Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen leitet, spricht indes schon jetzt von einer „rockerähnlichen Gruppierung“. Neben den zur Schau getragenen Kutten mit einheitlichen Erkennungszeichen gebe es vor allem Hinweise auf eine „streng-hierarchische Struktur“, sagte ein Sprecher.

„Das Gute an Rockern ist: Man erkennt sie gut, sie wollen auffallen“, ordnete der Osnabrücker Experte Sinn ein. Rockerorganisationen agierten alles andere als geheim. Dennoch sei es für Ermittler eine Herausforderung, kriminelle Strukturen solcher Gruppen aufzudecken und nachzuweisen: „Abschottung, enger Zusammenhalt und Kooperationsverweigerung mit der Polizei erschweren es bei aller Sichtbarkeit festzustellen, ob und in welche illegalen Geschäfte sie verstrickt sind und wer die Drahtzieher sind“, sagte Sinn.

Mitteilung der Polizei

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