Al Qaidas Racheschwüre gegen Sarkozy

Al Qaidas Racheschwüre gegen Sarkozy

Paris. Mit der strikten Ablehnung der Burka hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy das Terrornetzwerk Al Qaida gegen sich aufgebracht. Dessen nordafrikanischer Ableger droht Frankreich wegen des Vorgehens gegen die Vollverschleierung muslimischer Frauen mit Anschlägen

Paris. Mit der strikten Ablehnung der Burka hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy das Terrornetzwerk Al Qaida gegen sich aufgebracht. Dessen nordafrikanischer Ableger droht Frankreich wegen des Vorgehens gegen die Vollverschleierung muslimischer Frauen mit Anschlägen. Denn seit gestern berät eine französische Parlamentskommission über die Frage, ob die Burka in Frankreich mit seinen fünf Millionen Muslimen schlicht verboten werden sollte. "Für die Ehre unserer Töchter und Schwestern werden wir mit sämtlichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln Rache an Frankreich und seinen Interessen nehmen", zitierte das auf die Auswertung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE einen Aufruf des Chefs von Al Qaida im islamischen Maghreb, Abu Musab Abdul Wadud. Er forderte alle Muslime auf, auf Frankreichs "Feindseligkeit" gegen den Islam "mit noch größerer Feindseligkeit" zu reagieren. Paris werde sich durch solche Drohungen "niemals einschüchtern lassen", sagte gestern der Generalsekretär von Sarkozys UMP-Partei, Xavier Bertrand. Sarkozy selbst hatte sich vergangene Woche klar gegen das Tragen der Burka ausgesprochen. Die Republik könne nicht hinnehmen, dass Frauen "als Gefangene hinter Gittern" lebten, sagte er. Die Burka sei "ein Zeichen der Unterwerfung" der Frau. Sie sei deshalb in Frankreich "nicht willkommen". Frankreich hatte vor dem Hintergrund der gesetzlich festgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat schon 2004 das Tragen auffälliger religiöser Zeichen in Schulen verboten. Darunter fiel nicht nur das islamische Kopftuch Hidschab, sondern etwa auch die jüdische Kippa oder große christliche Kreuze. Entfacht wurde der Streit um die Burka nun durch den kommunistischen Abgeordneten André Gérin. Er brachte eine Resolution in die Nationalversammlung ein, um die Frage in einem Untersuchungsausschuss beleuchten zu lassen. Gérin ist gleichzeitig Bürgermeister der 58 000-Einwohner-Stadt Vénissieux vor den Toren von Lyon und sieht angesichts der Verbreitung eines fundamentalistischen Islams Handlungsbedarf. "Die Burka ist die Spitze des Eisberges", sagte er gestern der Zeitung "Figaro". "In einigen Vierteln stehen alle Beziehungen zwischen Männern und Frauen unter Beobachtung. Der Fundamentalismus ist für uns wirklich eine Bedrohung." Nachdem hundert Abgeordnete Gérins Antrag unterstützt hatten, schloss Sarkozys Regierung ein gesetzliches Verbot nicht aus. Der Staatschef plädierte aber dafür, die Frage erst in einer Enquete-Kommission mit Fachleuten und Gesellschaftsvertretern diskutieren zu lassen. Schon als Innenminister hatte er 2004 das "Kopftuch-Gesetz" zunächst abgelehnt, weil er "eine Demütigung" der islamischen Gemeinde befürchtete. Trotz seiner klaren Worte könnte er nun darauf spekulieren, dass eine öffentliche Debatte ein gesetzliches Burka-Verbot überflüssig machen könnte. Tatsächlich ist sie weiter nur in bestimmten Vierteln und nicht in ganz Frankreich verbreitet. Experten zufolge gibt es nur etwa 5000 Gläubige, die für die Ganzkörperverschleierung sind - also 0,1 Prozent der französischen Muslime. Dabei werde auch selten die aus Afghanistan stammende Burka mit Augengitter getragen, sondern der arabische Niqab, ein Gesichtsschleier mit Sehschlitz. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt derweil vor unerwünschten Folgen eines Burka-Verbots. "Es wird Frauen, die sie tragen, nur stigmatisieren und weiter an den Rand drängen", sagte ihr Pariser Bürochef Jean-Marie Fardeau.