20 Jahre danach wird Helmut Kohl nochmal gefeiert

Berlin. Helmut Kohl kann nur mit Mühe die Fassung bewahren. Als der "Kanzler der Einheit" in einem Rollstuhl auf die Bühne vor dem Reichstag geschoben wird, winken ihm tausende Menschen zu. Die Ehrengäste erheben sich von den Plätzen. Wenig später sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), mit niemanden verbinde sich die deutsche Einheit so sehr wie mit Helmut Kohl

Berlin. Helmut Kohl kann nur mit Mühe die Fassung bewahren. Als der "Kanzler der Einheit" in einem Rollstuhl auf die Bühne vor dem Reichstag geschoben wird, winken ihm tausende Menschen zu. Die Ehrengäste erheben sich von den Plätzen. Wenig später sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), mit niemanden verbinde sich die deutsche Einheit so sehr wie mit Helmut Kohl. Heute sei eine gute Gelegenheit, Kohl dafür zu danken. Gerührt nimmt der 80-Jährige den minutenlangen Dankesapplaus entgegen. Noch einmal sind die Protagonisten von damals an die historische Stätte am Reichstag zurückgekommen, wo am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung vollzogen wurde. Unter ihnen sind der einzige frei gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, und der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Vor Beginn der Feier verfolgt Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker gebannt die Szenen aus den Jahren 1989 und 1990, die auf einer Großbildleinwand zu sehen sind. Immer wieder schallt der legendäre Ruf "Die Mauer muss weg" aus den Lautsprechern am Reichstag. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit betont, das Gefühl der Freude, das diese Einheit gebracht habe, solle nicht nur am 3. Oktober zum Ausdruck gebracht werden. 20 Jahre Einheit seien auch eine "gigantische Aufbauleistung" der Menschen in Ost wie West. Rückblick 3. Oktober 1990: Die Deutschen sind 45 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges vereint. Der vor elf Monaten in der DDR erhobene Ruf "Wir sind ein Volk" ist Wirklichkeit geworden. Allein in Berlin sind eine Million Menschen auf den Beinen. Händler verkaufen schwarz-rot-goldene Rosen und T-Shirts mit der Aufschrift "9. November - 3. Oktober - ich war dabei".Um 0 Uhr wird nach dem Läuten der Freiheitsglocke eine riesige schwarz-rot-goldene Fahne als Zeichen der Vereinigung am Mast vor dem Reichstag aufgezogen. Bundespräsident Richard von Weizsäcker ruft Zehntausenden zu: "In freier Selbstbestimmung wollen wir die Einheit in Freiheit Deutschlands vollenden. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden in der Welt dienen." Seine Worte sind durch das ohrenbetäubende Rufen kaum zu verstehen. Das Deutschlandlied übertönt dann alles. Um 0.42 Uhr hält es Kohl nicht mehr in der Runde der dunkel gekleideten Prominenz, die zum ersten gesamtdeutschen Empfang versammelt ist. Er geht raus zu der Menschenmenge, die ihn feiert. Es ist eine Geräuschkulisse wie im Fußballstadion, ein Wort wird monoton wiederholt: "Helmut, Helmut, Helmut."

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