Nach Tod eines Jugendlichen Krawalle in Frankreich erfassen auch die Grenzregion zum Saarland

Forbach/Paris · Die schweren Unruhen im Nachbarland Frankreich gehen weiter – auch wenn sie zuletzt leicht abebbten. In der Grenzregion zum Saarland gab es ebenfalls Randale.

Ausschreitungen in Frankreich nach Todesschuss auf Jugendlichen
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Ausschreitungen in Frankreich nach Tod eines Jugendlichen durch einen Polzisten

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Foto: AP/Christophe Ena

Nach der Erschießung eines Jugendlichen durch die Polizei hat Frankreich am Wochenende weitere Nächte mit Ausschreitungen erlebt. Auch in der Grenzregion zum Saarland kam es zu Ausschreitungen.

Festnahmen in ganz Frankreich

Diese ebbten jedoch von Samstag auf Sonntag – die fünfte Krawallnacht seit dem Vorfall – nach Angaben von Innenminister Gérald Darmanin ein Stück weit ab. Bis Sonntagmorgen nahm die Polizei nach Angaben seines Ministeriums 719 Menschen fest. Die Nacht sei „dank des entschlossenen Vorgehens der Ordnungskräfte“ ruhiger gewesen, schrieb Darmanin bei Twitter. In der Nacht zum Samstag waren noch mehr als 1300 Menschen festgenommen worden.

In der Nacht zu Sonntag wurden 871 Brandherde auf öffentlichen Straßen registriert, in der Nacht zuvor waren es noch 2560. 577 Autos brannten aus – nach 1350 am Vortag. Brennpunkte waren wie bereits zuvor die beiden größten Städte des Landes, Paris und Marseille.

Anschlag auf das Haus eines Bürgermeisters bei Paris

Für Entsetzen sorgte ein nächtlicher Anschlag auf das Haus des Bürgermeisters der im Großraum Paris liegenden Gemeinde L‘Haÿ-les-Roses, Vincent Jeanbrun. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gelangte ein brennendes Fahrzeug gegen 1.30 Uhr auf das Gelände des Hauses. Offenbar sollte es das Haus in Brand setzen, doch wurde es laut dem Staatsanwalt von einer kleinen Mauer gestoppt. In dem Fahrzeug wurde Brandbeschleuniger gefunden.

Forbach: Zeitung spricht von „Guerilla-Szenen“

Auch in der Grenzregion zum Saarland gab es in den vergangenen Nächten Krawalle. Nach mehrstündigen Scharmützeln zwischen jugendlichen Randalierern und der Polizei in Forbach und anderen Orten am Freitag – der Republicain Lorrain schreibt von „Guerilla-Szenen“ – blieb es in der Nacht zum Sonntag in Grenznähe jedoch relativ ruhig.

Brandstiftungen in einem Fußball-Stadion sowie an einem Auto – ansonsten habe es keine besonderen Vorfälle gegeben, schreibt die französische Zeitung. Der Radiosender France 3 berichtet von 13 Festnahmen in Nancy am Freitag. Ein halbes Dutzend der Randalierer habe bereits am Wochenende vor Gericht gestanden.

Krise setzt Staatspräsidenten Macron unter Druck

Die anhaltenden gewaltsamen Unruhen stürzen Präsident Emmanuel Macron nach den Protesten der Gelbwesten und gegen seine Rentenreform in eine weitere schwere Krise. Am Samstag sah sich der Präsident gezwungen, seinen ab Sonntag geplanten Staatsbesuch in Deutschland abzusagen. Stattdessen setzte er für Sonntagabend eine Krisensitzung mit Premierministerin Borne, Innenminister Darmanin und Justizminister Éric Dupond-Moretti an.

Zudem wurde ein ständiger Krisenstab der Regierung eingerichtet. Auslöser der Unruhen war der Tod eines 17-Jährigen durch den Schuss eines Polizisten am Dienstag in Nanterre.