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Studie: Den Reichen gehört die halbe Welt

Studie: Den Reichen gehört die halbe Welt

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst überall auf der Welt. Einer der Gründe laut Entwicklungshelfern: Konzerne und Milliardäre können weiter Vermögen verstecken. Eine neue Steuerpolitik müsse das ändern.


Oligarchen, Ölscheichs oder Milliardenerben: Die 62 reichsten Menschen der Erde besitzen laut einer Studie der internationalen Hilfsorganisation Oxfam mittlerweile "genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ". Die soziale Ungleichheit nehme dramatisch zu. Zu den Ursachen gehören nach Ansicht der Autoren eine völlig unzureichende Besteuerung großer Vermögen und Kapitalgewinne sowie die anhaltende Verschiebung von Profiten in Steueroasen .

Das Vermögen der 62 Reichsten - unter ihnen 53 Männer - sei allein in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent auf umgerechnet 1,61 Billionen Euro gewachsen, heißt es in der Studie "An Economy for the 1%". Zugleich habe sich das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung um 920 Milliarden Euro verringert. Das sei ein Rückgang um 41 Prozent - obwohl im selben Zeitraum die Weltbevölkerung um 400 Millionen Menschen gewachsen sei. Oxfam appelliert mit der Studie zur sozialen Entwicklung, die es stets zum Start der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos vorlegt, an die erwarteten Regierungsvertreter und Topmanager aus mehr als 100 Ländern, ihren Einfluss dafür zu nutzen, dass die Schere zwischen Arm und Reich kleiner und nicht immer größer werde.

"Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind", sagte Tobias Hauschild, der bei Oxfam Deutschland zuständig ist für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten. Der Kampf gegen Armut und Krankheiten werde dadurch erschwert. "Nötig ist ein Wirtschafts- und Finanzsystem, vom dem alle profitieren." Dazu gehört laut Oxfam, dass "Konzerne sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen". Neun von zehn Großkonzernen hätten Niederlassungen in mindestens einer Steueroase. Gewinne sollten allein dort versteuert werden, wo sie erwirtschaftet werden, fordert Oxfam. Die Politik müsse dafür sorgen, dass Steueroasen trockengelegt werden, die Superreichen das Verstecken riesiger Werte ermöglichten.

Um ein gerechtes internationales Steuersystem zu schaffen, muss man Oxfam zufolge Unternehmen zu einer öffentlichen und länderbezogenen Berichterstattung über Gewinne und deren Versteuerung verpflichten. Zudem müssten Staaten einen "ruinösen Wettlauf um die niedrigsten Steuersätze" beenden und sämtliche Steueranreize transparent machen. Zugleich sollten anstelle einer stärkeren Belastung des Konsums höhere Abgaben auf große Vermögen und Kapitalgewinne erhoben werden. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln äußerte sich dazu skeptisch: Mehr Steuergelder würden nicht automatisch bedeuten, dass Arme davon profitieren, sagte IW-Expertin Judith Niehues dem Berliner "Tagesspiegel".