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Steinbach: NS-Gräuel nicht allein Grund für Vertreibung

Steinbach: NS-Gräuel nicht allein Grund für Vertreibung

Berlin. Die Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach (Foto: dpa), hat verneint, dass die Vertreibung der Deutschen aus den früheren Ostgebieten allein eine Antwort auf vorangegangene Verbrechen der Nationalsozialisten in Polen und Tschechien war

Berlin. Die Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach (Foto: dpa), hat verneint, dass die Vertreibung der Deutschen aus den früheren Ostgebieten allein eine Antwort auf vorangegangene Verbrechen der Nationalsozialisten in Polen und Tschechien war. Auf dem Jahresempfang ihres Verbandes sagte die CDU-Politikerin am Dienstagabend: "Als alleinige Begründung reicht Hitlers Gewaltpolitik nicht aus." Denn "sonst hätte auch die nicht unbedeutende deutsche Volksgruppe in Belgien vertrieben werden müssen", so Steinbach. Auch dort habe es zuvor Massaker durch die nationalsozialistischen Besatzer gegeben. Diese seien vergleichbar mit den Nazi-Massakern von Lidice im heutigen Tschechien. Dennoch seien die Deutschen aus Belgien nicht vertrieben worden. Es war nicht die erste umstrittene Äußerung Steinbachs zur Vertriebenen-Thematik. dapd/kol

Meinung

Getriebene der Unversöhnlichkeit

Von SZ-KorrespondentWerner Kolhoff

Normalerweise hat sich Erika Steinbach unter Kontrolle, denn sie will, dass das Schicksal der Vertreibung der Deutschen aufgearbeitet und anerkannt wird, hierzulande, aber auch in Polen und Tschechien. Dieses Anliegen wäre besser durchzusetzen, wenn die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen nicht ab und an auch anderen Zielen Vorschub leisten würde: Relativierung von Naziverbrechen und Revanchismus. Ihre Bemerkung, Hitlers Gewaltpolitik allein könne die Vertreibung der Deutschen aus Polen nicht begründen, denn auch die Belgier seien schließlich überfallen worden und hätten ihre Deutschen nicht vertrieben, war wieder ein Beispiel. Steinbach unterschlägt viel Historisches, etwa dass Belgien keinem Vernichtungs- und Versklavungsfeldzug unterzogen wurde. Die Politikerin wirkt wie eine Getriebene der Unversöhnlichkeit, die aber nichts aufarbeitet.