Steht der Wald vor dem Kollaps? Ein Masterplan wird gefordert.

Ein Masterplan wird gefordert : Der Wald vor dem Kollaps

Brände verwüsten riesige Flächen in den USA und in Russland. Auch in Deutschland haben klimatische Veränderungen einen verheerenden Einfluss auf die Wälder. Ein Masterplan wird gefordert.

Dichter Rauch steigt auf. In Sibirien und Alaska brennen große Flächen Wald. Die Gebiete liegen in den Ländern Russland und USA. Dort hat es in letzter Zeit sehr wenig geregnet. Bei den schlimmsten Bränden seit Jahren in der auch für das Weltklima wichtigen russichen Taiga versinken. Angesichts der Brand-Katastrophen verlassen jetzt sogar die weltpolitischen Kontrahenten Donald Trump und Wladimir Putin eingetretene Konfrontationspfade: Der US-Präsident hat dem Kreml-Chef nach russischen Angaben Hilfe im Kampf gegen die Feuersbrunst angeboten. Putin wisse diesen Schritt zu schätzen und werte ihn als Sig­nal, dass es beiden Ländern gelingen werde, ihre Beziehungen zu normalisieren, hieß es.

Trockenheit macht den Wäldern in vielen Länder zu schaffen. Auch dem deutschen Wald geht sehr schlecht. Weil es öfter und heftiger stürmt, weniger regnet und sich immer mehr Schädlinge ausbreiten, ist der Wald nach Aussagen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gestresst. Massive Waldschäden von der Ostsee bis zum Bodensee sind die Folge – der BUND spricht nach dem Waldsterben in den 1980er Jahren bereits vom „Waldsterben 2.0“. Damals warfen durch den veränderten ph-Wert im Boden Bäume Blätter und Nadeln ab und starben. Jetzt kommt aus den unionsgeführten Forstressorts der Länder die Forderung nach einem Masterplan gegen den neuen immensen Waldverlust.

Anfang Juli forderte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) das „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“. Ein Aufforstungsprogramm, das geschätzt mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten wird. Geld, das aus dem Energie- und Klimafonds fließen soll. Am Donnerstag kommt Klöckner mit Vertretern aus Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern in Moritzburg bei Dresden zusammen.

Klöckner will zudem für September einen nationalen Waldgipfel einberufen. „Unser Wald ist massiv geschädigt“, sagte sie der „Rheinischen Post“. „Nur mit vereinten Kräften stemmen wir die Mammutaufgabe, die vor uns liegt, um unseren Wald zu retten – nicht nur für uns, sondern für die nachfolgenden Generationen.“ Noch im August werde sie ein Fachgespräch mit Vertretern der ­Wald-, Holzwirtschafts- und Umweltverbände sowie der Wissenschaft führen. „Es geht nicht nur um Investitionen in Millionenhöhe für Aufforstungen. Sondern auch um die langfristige Anpassung der Wälder an den Klimawandel“, so Klöckner.

„Die schlechten Nachrichten aus dem Wald reißen nicht ab“, sagt Sachsens Forstminister Thomas Schmidt (CDU). „Jeden Tag erreichen uns neue Hiobsbotschaften. Deshalb müssen wir dringend handeln.“ Seinen Angaben zufolge sind seit 2018 bundesweit mehr als 100 000 Hek­tar Wald von Stürmen, Dürren und Schädlingen geschädigt worden. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) spricht sogar von 120 000 Hektar, die bereits abgestorben sind. Sterben würden demnach vor allem Fichten, aber auch Kiefern, Buchen und Eichen. Die „Moritzburger Erklärung“ mit der Forderung nach einem Masterplan zielt darauf, Antworten auf die Frage zu finden, wie der Wald für die Zukunft gewappnet werden kann. Eine Antwort lautet: robustere Mischwälder statt Monokulturen.

Deutschland ist etwa zu einem Drittel bewaldet. 11,4 Millionen Hektar Wald gibt es, gut die Hälfte ist laut aktueller Bundeswaldinventur Privateigentum. Der SDW zufolge fehlen wegen der Dürresommer 2018 und 2019 im Schnitt mehr als 200 Liter pro Quadratmeter Regen im Jahr.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) sieht dem Wald gar vor dem Kollaps. „Der Wald ist der Klimaretter schlechthin, aber aktuell ist der Wald selbst Opfer der Klimakatastrophe“, heißt es in einer Mitteilung.