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Spiel, Satz und Sieg für Armin Laschet. Für die Union stellen sich die nächsten Fragen

Online-Parteitag der CDU : Spiel, Satz und Sieg für Armin Laschet

Der nordrhein-westfälische Regierungschef schafft es mit Emotionalität zum CDU-Chef. Für die Union stellen sich aber bereits die nächsten Fragen.

Am späten Nachmittag nach seiner Wahl konnte man schon einen ganz anderen Armin Laschet erleben. Der frisch gewählte CDU-Vorsitzende tingelte Sonnabend durch die TV-Studios, um seine ersten Interviews im neuen Amt zu geben. Gelöst und locker wirkte er, klar und bestimmt klangen plötzlich seine Aussagen. Das Flattrige und Unpräzise war verschwunden. 521 Delegiertenstimmen, 55 mehr als sein schärfster Konkurrent Friedrich Merz – das sorgte für die Wandlung des Armin Laschet.

Er hatte aber auch die Rede seines Lebens gehalten wenige Stunden zuvor. 15 Minuten auf der Parteitagsbühne in der Messe Berlin, im Visier von sieben Kameras, ohne Publikum, ohne Applaus, alles um ihn herum funkelte digital. Der NRW-Ministerpräsident münzte den Nachteil einfach in einen Vorteil um. Während Merz anfänglich nicht wusste, wohin er schauen sollte, dann auch noch seine Themen im Stakkato vortrug, und der dritte Bewerber, Norbert Röttgen, reichlich nervös daherkam, umarmte Laschet die Delegierten vor ihren PCs mit warmen Worten und viel Emotionalität. Immer in die Kamera schauend. Das war klug.

Die CDU sei „keine One-Man-Show“, die von einem „CEO“ geführt werden müsse, so der bald 60-Jährige. Eine Grätsche gegen Merz. Polarisieren könne jeder, „das ist einfach. Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren. Wir müssen integrieren können, eine Gesellschaft zusammenhalten“, formulierte er sein Ziel. Während Merz vor allem über Führung redete und Röttgen über Zukunftskompetenz, setzte Laschet auf etwas völlig anderes – auf Vertrauen. Er sei vielleicht kein Mann der perfekten Inszenierung. „Aber ich bin Armin Laschet. Darauf können Sie sich verlassen.“

Zum Schluss stellte er sich neben das Pult und hielt die Bergmannsmarke seines Vaters Heinz hoch, dessen Glücksbringer unter Tage. „Sag den Leuten, sie können dir vertrauen“, habe ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben. Das verfing. Spiel, Satz und Sieg. Das Ergebnis muss nun noch per Brief von den Delegierten bestätigt werden. In seiner Dankesrede appellierte der neue Chef: „Ich bitte um die Rückendeckung auch derer, die die anderen Kandidaten gewählt haben.“ Fällt das Briefwahl-Ergebnis nicht überzeugend aus, würde dies wohl als Fehlstart gewertet werden. Verkündet wird es am kommenden Freitag.

Insider meinten hinterher, Laschet habe als Einziger das Web-Format begriffen. Die anderen hätten sich hinter dem Podium versteckt und schlichte Parteitagsreden gehalten. Ein Delegierter kommentierte, der Auftritt von Merz sei so wie der auf dem Parteitag 2018 in Hamburg gewesen, als er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verlor. Die Saarländerin setzte damals ebenfalls auf Emotionen, der Sauerländer wirkte bieder und technokratisch. Ihre Freude über Laschets Sieg verbarg AKK nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Stichwahl jedenfalls nicht. Als Merz, einer der größten Widersacher in ihrer Zeit als Vorsitzende, ihr kurz dankte, verzog Kramp-Karrenbauer keine Miene.

Es hätte alles so harmonisch enden können für die CDU, wären da nicht zwei Ereignisse gewesen, die den Parteitag nachhaltig überschatteten. So meldete sich in der Fragerunde an die Kandidaten Gesundheitsminister Jens Spahn zu Wort. Statt zu fragen, hielt er eine Lobesrede auf Laschet. Ein klassisches Foulspiel gegen die anderen Aspiranten. Das nahmen ihm viele Delegierte übel; entsprechend schlecht fiel sein Ergebnis bei der Wahl zum Vize-Vorsitzenden aus. Laschet wusste dem Vernehmen nach davon, verhinderte im Vorfeld Spahns Intervention aber nicht. Der Minister gab sich am Sonntag kleinlaut: „Ich sehe im Nachhinein: Es war nicht das passende Format“, schrieb er auf Twittter. „Das bedauere ich.“ Was der Vorgang für seine Ambitionen bedeutet, Stichwort Kanzlerkandidatur, wird man sehen.

Für den eigentlichen Eklat sorgte aber Merz: Kurz nach seiner Niederlage bot er Laschet an, das Wirtschaftsministerium zu übernehmen und Ressortchef Peter Altmaier abzulösen. Die Kanzlerin, zuständig fürs Kabinett, ließ dies sofort zurückweisen. Im Netz fegte ein regelrechter Shitstorm über Merz hinweg. SPD-Vize Kevin Kühnert twitterte: „Kennt ihr das auch, wenn bei der Einschulung das vierjährige Geschwisterkind quengelt, weil es auch eine Schultüte haben will, obwohl heute jemand anderes seinen großen Tag hat?“ Laschet ließ wissen: „Das steht nicht an.“ Er werde dennoch in den nächsten Tagen mit Merz das Gespräch suchen. In der CDU glaubt aber kaum jemand daran, dass Merz nach diesem unsauberen Rempler in der Partei noch eine wichtige Rolle spielen wird. Der Ärger war auch am Tag danach groß, weil der Ex-Fraktionschef mit seinem unmoralischen Angebot den Fokus von dem erfolgreichen Parteitag genommen hatte.

Laschet wird nun in den nächsten Wochen die immer selben Fragen beantworten müssen. „Wollen Sie der Kanzlerkandidat der Union werden?“, wurde in jedem TV-Interview nachgehakt. Seine Antwort: „Wir werden die Frage der Kanzlerkandidatur mit der CSU gemeinsam entscheiden. Das machen wir im Frühjahr.“ Und die andere ist, mit wem die Union nach der Bundestagswahl lieber koalieren will – FDP oder Grüne? Auch da äußerte sich der NRW-Mann am Wochenende nicht eindeutig: „Ich habe das Ziel, die CDU in die nächste Regierung zu führen“, sagte Laschet lediglich. Schon ganz der Vorsitzende.