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Sommerpressekonferenz der Kanzlerin: Merkel denkt noch nicht an ihren Ruhestand

Pressekonferenz im Schatten der Corona-Krise : Für Merkel ist der Ruhestand noch ganz weit weg

Schwere Zeiten für Leichtigkeit: Im Schatten der Corona-Krise ist die Sommer-Pressekonferenz der Kanzlerin weniger unterhaltsam als in der Vergangenheit.

Die Kanzlerin läuft zum Podium, nimmt die Maske ab und lächelt verhalten. Es ist ihre 15. Sommer-Pressekonferenz mit den Hauptstadt-Journalisten und vermutlich die vorletzte ihrer Amtszeit. Immer war der Saal bei dieser Gelegenheit brechend voll gewesen. Doch diesmal scheint es so, als fühle sich Angela Merkel für einen Moment etwas allein auf weiter Flur. Wo sonst Heerscharen von Fotografen ein Blitzlichtgewitter verursachen, macht es nur vereinzelt „Klick“. Auch auf den Sitzen verlieren sich gerade einmal gut 40 Medienvertreter. Nur jeder dritte Platz ist besetzt. Das Los entschied über ihre Anwesenheit. Auch die Bundespresskonferenz hat ein striktes Hygienekonzept.

Der Corona-bedingte Ausnahmezustand macht die Veranstaltung zweifellos weniger unterhaltsam als in der Vergangenheit. Schwere Zeiten für Leichtigkeit: „Es ist ernst, unverändert ernst. Und nehmen Sie es auch weiterhin ernst“, sagt Merkel in einem kurzen Statement. So ähnlich hatte sie das auch schon Mitte März bei einer Fernsehansprache formuliert. Jetzt klingt die Warnung vor dem Virus noch dramatischer.

Die meisten Fragen der Medienleute kreisen dann auch um die Pandemie und ihre Folgen in allen Schattierungen. Erst am Vortag hatte Merkel mit den Ministerpräsidenten über ein einheitlicheres Vorgehen im Anti-Corona-Kampf beratschlagt. Doch ihre Autorität ist nicht mehr so stark ausgeprägt, als dass die Länderchefs ihr blind folgen würden. Auch nicht die von der Union. Richtig Zoff soll es deshalb gegeben haben. Doch davon lässt sich Merkel nichts anmerken. Bislang habe man immer „nach bestem Wissen und Gewissen entschieden“. Und damit sei sie auch „einigermaßen zufrieden“.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Flüchtlingspolitik. „Wir schaffen das“, hatte Merkel fast auf den Tag genau vor fünf Jahren an gleicher Stelle gesagt. Haben wir es geschafft? Vieles sei bewältigt worden, weil viele Menschen geholfen hätten, aber natürlich gebe es auch noch Probleme, etwa bei der Rückführung nicht anerkannter Flüchtlinge, antwortet die Kanzlerin. Würde sie es wieder so machen wie damals, als binnen weniger Monate Hunderttausende Syrer, Afghanen oder Iraker ins Land kommen durften? „Wesentliche Entscheidungen“ würde sie „wieder so fällen“, gibt Merkel zurück.

Ansonsten geht es quer durch den politischen Gemüsegarten. Von Klimaschutz über Belarus und Wirecard bis hin zum Lieferkettengesetz und dem Personalwettstreit in der CDU reichen die Themen. Merkel wirkt entspannt und konzentriert. Und sie spielt ihre ganze Erfahrung aus. Seit 15 Jahren ist sie jetzt Regierungschefin, so lange wie kein anderer westeuropäischer Staatenlenker. Dass sie schon so viel gereist sei, mache sie „heilfroh“, sagt Merkel. Hintergrund sind die vielen internationalen Videokonferenzen, die ihren Arbeitsalltag jetzt so stark verändert haben. Merkel kennt sämtliche Akteure persönlich. Sitzungen per Video seien besser als gedacht. Allerdings: „Man weiß nicht, wer alles zuhört“, ergänzt sie verschmitzt. Da kommt doch noch etwas Heiterkeit auf.

Die ist auch zu spüren, als es um den künftigen CDU-Vorsitz geht. Hier halte sie sich raus, sagt Merkel, die das Amt vor zwei Jahren abgegeben hat. Jetzt bewirbt sich unter anderen auch der Außenpolitiker Norbert Röttgen für den Job. Aber von dem habe sie noch „keine Einladung“ bekommen, witzelt Merkel. Kürzlich hatte die Kanzlerin Armin Laschet ihre Aufwartung gemacht. Der NRW-Regierungschef bewirbt sich ebenfalls für das Amt.

Immerhin erfährt man noch, dass Merkel nicht an ihren Ruhestand ab dem Herbst 2021 denkt und dafür auch noch keine Reisepläne geschmiedet hat. Früheren Aussagen zufolge möchte sie zum Beispiel gern mal mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren. Auch sonst sei sie ja noch „voll beschäftigt mit der Ist-Zeit“. Wieder so ein typischer Merkel-Sprech. Nach gut 90 Minuten ist alles vorbei. Die Kanzlerin setzt wieder ihre Maske auf und verlässt zufrieden den Saal.