Simbabwe in der Wahl-Zange

Simbabwe in der Wahl-Zange

Harare. Zwei Tage nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Simbabwe ist Staatschef Robert Mugabe für eine weitere Amtszeit vereidigt worden. Wie Reporter berichteten, legte der 84-Jährige gestern in Harare den Amtseid ab. Kurz zuvor wurde Mugabe, der als alleiniger Kandidat angetreten war, von der Wahlkommission zum Sieger erklärt. Er erhielt demnach 90,2 Prozent

Harare. Zwei Tage nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Simbabwe ist Staatschef Robert Mugabe für eine weitere Amtszeit vereidigt worden. Wie Reporter berichteten, legte der 84-Jährige gestern in Harare den Amtseid ab. Kurz zuvor wurde Mugabe, der als alleiniger Kandidat angetreten war, von der Wahlkommission zum Sieger erklärt. Er erhielt demnach 90,2 Prozent.

Mugabe, der bereits seit 1980 in Simbabwe an der Macht ist, gewann nach amtlichen Angaben in allen zehn Provinzen haushoch und erhielt laut Wahlkommission rund 2,15 Millionen Stimmen. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, der seine Kandidatur am vergangenen Woche zurückgezogen hatte und damit offiziell nicht mehr zur Wahl stand, kam auf 233000 Stimmen.

Tsvangirai lehnte eine Teilnahme an der Vereidigungszeremonie ab. Er kündigte in einem Interview mit der britischen Zeitung "Mail on Sunday" an, seine Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) werde ihre bei der Parlamentswahl Ende März gewonnene Mehrheit dazu nutzen, mit Mugabe zu einer Übereinkunft zu kommen. Denkbar wäre unter Umständen eine Übergangsregierung aus MDC und Mugabes Partei ZANU-PF. Auch Mugabe sagte bei seiner Vereidigung, er hoffe auf einen Dialog mit der Opposition. Tsvangirai hatte sich aus der Stichwahl zurückgezogen, da er seine Anhänger vor Gewalt schützen wollte. Laut MDC wurden seit dem ersten Wahlgang mehr als 80 Oppositionsanhänger getötet. Tsvangirai erhielt in der ersten Runde am 29. März die meisten Stimmen, verfehlte jedoch laut Wahlkommission die absolute Mehrheit. Afrikanische Wahlbeobachter riefen zu einer Wiederholung des zweiten Durchgangs auf. Angesichts des "vorherrschenden Klimas waren freie, faire und glaubwürdige Wahlen nicht möglich", sagte der Chef der Beobachtermission des Panafrikanischen Parlaments, Marwick Khumalo. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Urnengang verurteilt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine Verschärfung der EU-Sanktionen. Die zweite Runde der Präsidentschaftswahl sei eine "Farce" gewesen, sagte dir der Tageszeitung "Die Welt". Als Präsident habe Mugabe "jede Legitimität verloren". Merkel forderte die Afrikanische Union auf, bei ihrem am Montag beginnenden Gipfel im ägyptischen Scharm el Scheich "Konsequenzen" zu ziehen. Das Leiden der Bevölkerung, "die unter dem Willkürregime Mugabes unsägliche Opfer gebracht hat", müsse ein Ende finden, sagte die Kanzlerin. Der kenianische Regierungschef Raila Odinga forderte die Entsendung von Truppen der Afrikanischen Union (AU). Mugabe sei "eine Schande für Afrika und die AU sollte ihre Truppen in das Land schicken, um die Menschen dort zu befreien", sagte Odinga der Zeitung "Daily Nation" in seiner gestrigen Ausgabe. afp