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Serie Wahl-Ideen: Fahrscheinlos im ÖPNV

Serie Wahl-Ideen: Fahrscheinlos im ÖPNV

Alle Parteien haben in ihren Wahlprogrammen neben Altbekanntem auch einige ungewöhnliche Ideen parat, die wir in einer Serie unter die Lupe nehmen. Heute: Die Forderung der Piraten nach einem fahrscheinlosen ÖPNV.

Die Idee: Wie schön wäre es doch, überall und jederzeit in Busse oder Bahnen einsteigen zu können und nicht über eine Fahrkarte nachdenken zu müssen. Das klingt gut, ohne Tickets benötigt man auch keine Automaten mehr. Viele Kunden können die Geräte sowieso nicht bedienen. Oft genug funktionieren sie nicht, oder sie wurden von Vandalen zerstört. Kontrolleure? Braucht man auch nicht mehr. Die "frei werdenden Mitarbeiter" sollen dann überwiegend zur Verbesserung des Services eingesetzt werden. Die Piratenpartei ist davon überzeugt, dass ein fahrscheinfreier ÖPNV speziell in Ballungsräumen zu einer stärkeren Nachfrage nach Bus und Bahn und folglich auch zu einem attraktiveren Angebot führen wird. Der Haken: Fahrscheinlos ist nicht gleich kostenlos. Die Piraten wollen keinen echten Nulltarif, sondern das Projekt soll durch eine über Steuern finanzierte, allgemeine Umlage bezahlt werden. Die genaue Ausgestaltung, also Höhe oder Staffelung, lassen die Piraten im Unklaren. Mag sein, dass auch vor dem Hintergrund steigender Spritpreise manche Bürger lieber den Nahverkehr nutzen werden. Doch wer das nicht will oder nicht kann, wird trotzdem zur Kasse gebeten. Die Bewertung: Der Plan der Piraten klingt verlockend. Doch gerecht ist er nicht. Außerdem ist die Notwendigkeit eines Fahrscheins nicht zwingend ausschlaggebend für die Benutzung des Nahverkehrs. Erfahrungen aus dem In- und Ausland zeigen, dass viel entscheidender die zeitliche und räumliche Verfügbarkeit, der Komfort und die Qualität von Bussen und Bahnen sind. Also schlichtweg ein gutes Angebot, das auch derjenige zu nutzen bereit ist, der die freie Wahl zwischen Auto und Bus hat. Die Piraten schlagen vor, den Plan zunächst per Pilotprojekt zu testen. Das ist wiederum klug, da das ÖPNV-Angebot regional sehr unterschiedlich ist.