Schüsse auf Wolfgang Schäuble vor 25 Jahren

Oppenau · Der 12. Oktober 1990 wird für Wolfgang Schäuble zum Schicksalstag. Schüsse aus einem Revolver reißen ihn aus seinem bisherigen Leben. Das Attentat zwingt den Politiker in den Rollstuhl.

Es sind drei Schüsse , die das Leben von Wolfgang Schäuble unumkehrbar verändern. Vor 25 Jahren, am Abend des 12. Oktober 1990, wird der CDU-Politiker und damalige Bundesinnenminister Opfer eines Attentats. Nach einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau feuert ein geistig verwirrter Mann aus nächster Nähe auf Schäuble. Schäuble ist seither querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Heute ist er 73, Bundesfinanzminister und einer der mächtigsten Politiker Deutschlands.

"Ich spüre meine Beine nicht mehr." Der Satz des am Boden liegenden Ministers brennt sich jenen, die damals dabei waren, ins Gedächtnis ein. Das Attentat schreckt damals die Republik auf. Es ereignet sich im kleinen Schwarzwaldort Oppenau , Schäubles Heimat und Wahlkreis. Im "Gasthof Brauerei Bruder" hält er an diesem Abend eine Wahlkampfrede, die Bundestagswahl naht. Als Schäuble den Saal verlässt, nähert sich ein damals 37 Jahre alter Mann, zieht einen Revolver und feuert aus knapp einem halben Meter Entfernung drei Schüsse ab. Zwei davon treffen Schäuble in den Rücken und am Hals. Lebensgefährlich verletzt wird er in die Universitätsklinik Freiburg gebracht.

Der Kanzler, der nach Freiburg eilt, zeigt sich geschockt über den Gesundheitszustand seines wichtigsten Ministers. Auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine , der knapp ein halbes Jahr zuvor bei einer Wahlkampfkundgebung ebenfalls Opfer eines Attentats war, besucht Schäuble. Seitdem nehmen die beiden mehr Rücksicht aufeinander als sonst unter Politikern üblich.

Mit eiserner Disziplin nimmt Schäuble nur wenige Monate nach dem Attentat im Rollstuhl seine Amtsgeschäfte wieder auf. "Seine Ehefrau Ingeborg sagt über die Tage im Krankenhaus: "Es war großartig zu sehen, wie er sich zurück ins Leben kämpft." Der Attentäter wird von einem Gericht verurteilt und in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen.

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