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Schmutzige Bomben und Tornados

Schmutzige Bomben und Tornados

Berlin. Im Januar 2010 wird irgendwo in Deutschland von Terroristen ein mit atomarem Material versetzter Sprengkörper gezündet, eine so genannte schmutzige Bombe. Kurz danach glühen in den Einsatzzentralen der Katastrophenschützer von Bund und Ländern die Telefondrähte. Evakuierung, Versorgung, Warnung und das Vermeiden von Chaos stehen jetzt im Mittelpunkt

Berlin. Im Januar 2010 wird irgendwo in Deutschland von Terroristen ein mit atomarem Material versetzter Sprengkörper gezündet, eine so genannte schmutzige Bombe. Kurz danach glühen in den Einsatzzentralen der Katastrophenschützer von Bund und Ländern die Telefondrähte. Evakuierung, Versorgung, Warnung und das Vermeiden von Chaos stehen jetzt im Mittelpunkt. Und die perfekte Koordination aller betroffenen Stellen. Das Szenario ist das Drehbuch für die nächste Katastrophenschutzübung "Lükex", an dem sich die Krisenstäbe des Bundes und von vier Ländern beteiligen sollen. Laut Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU, Foto: dpa) ist es nicht aus der Luft gegriffen. "Die schmutzige Bombe macht uns international am meisten Sorgen."

Vorbereitung auf alles nur Denkbare gehört zu den Kernaufgaben des Technischen Hilfswerkes (THW) und des vor fünf Jahren geschaffenen Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Deutschland ist, so Schäuble gestern bei der Präsentation der Jahresberichte 2008 beider Organisationen, beim Bevölkerungsschutz sehr gut aufgestellt. Mit insgesamt 1,8 Millionen meist ehrenamtlichen Helfern, vom THW bis zu den Ambulanzdiensten und den Feuerwehren, habe man ein Niveau erreicht, "um das uns andere Länder beneiden". Und dieses System wird durchaus exportiert: Nach Nord-Afghanistan etwa, wo eine Katastrophenschutzschule aufgebaut werden soll, oder nach China, wo man jetzt auch eine Technisches Hilfswerk gründen will. Die deutschen THW-Helfer hatten dort im letzten Jahr nach dem Erdbeben mit ihren Wasseraufbereitungsanlagen sehr effektiv geholfen.

2007 hatte die "Lükex"-Übung noch eine mögliche Pandemie zum Thema gehabt. Dass der Test etwas gebracht habe, zeige sich jetzt bei der Schweinegrippe, sagte Schäuble. Alle Institutionen arbeiteten reibungslos zusammen. Aufgabe des BBK ist es, ständig nach Schwachstellen im Katastrophenschutz Ausschau zu halten und den Hilfsorganisationen organisatorische und technische Lösungen anzubieten. Aktuell ist neben der schmutzigen Bombe vor allem die Bewältigung großflächiger Stromausfälle auf dem Radarschirm der Organisation. Zur besseren Koordinierung im Krisenfall wurde beim BBK ein gemeinsames Melde- und Lagezentrum eingerichtet, das alle beteiligten Organisationen schnell informieren soll. Auf dem Arbeitsprogramm des Amtes für dieses Jahr steht jetzt die Verbesserung der direkten Warnung der Bevölkerung in allen Bundesländern. Die bisherigen Sirenen gibt es nicht mehr überall, weshalb man nun an einem "modularen" System arbeitet, das Sirenen, Handy-Alarm, Radio-Aufrufe und andere Warnmöglichkeiten miteinander verbinden soll.

Zunehmender Alltag der Arbeit der 80 000 Helfer des Technischen Hilfswerks aber sind die Folgen des Klimawandels. Ob Überschwemmungen, Hagelschauer oder Stürme bis hin zu Tornados, immer häufiger müssen die Ehrenamtlichen umgestürzte Bäume bergen, Dächer sichern oder Keller leer pumpen. Die technische Ausstattung dafür wurde im letzten Jahr weiter massiv modernisiert. Auch im Ausland kam das THW häufig zum Einsatz, etwa in Myanmar nach der dortigen Flutkatastrophe.