Schavan schämt sich für Guttenberg, Merkel hält zu ihm

Schavan schämt sich für Guttenberg, Merkel hält zu ihm

Berlin. Der Rückhalt für Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den eigenen Reihen bröckelt - doch Kanzlerin Angela Merkel (CDU, Foto: dpa) hält in der Plagiatsaffäre weiter zu ihm. "Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin

Berlin. Der Rückhalt für Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den eigenen Reihen bröckelt - doch Kanzlerin Angela Merkel (CDU, Foto: dpa) hält in der Plagiatsaffäre weiter zu ihm. "Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin. Guttenberg sei ein bewährter Minister, der weiter seine Arbeit tun solle.Forschungsministerin Annette Schavan (CDU, Foto: dpa) sagte allerdings, sie schäme sich für Guttenberg. "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Niemand solle auf die Idee kommen, "dass ich den Vorgang für eine Lappalie halte". Die Ministerin forderte aber eine zweite Chance für Guttenberg.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) soll mit Kritik nachgelegt und die Affäre und ihre Begleitumstände als "Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie" bezeichnet haben. So habe er sich am Freitag vor Abgeordneten der SPD-Arbeitsgruppe Demokratie geäußert, berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung".

Mehr als 30 000 Menschen, darunter viele Akademiker, protestierten in einem offenen Brief an Merkel gegen das Verhalten der Regierung in der Plagiatsaffäre. Sie kritisieren, dass Merkel an Guttenberg als Minister festhält. Die Universität Bayreuth hatte seinen Doktortitel aberkannt, weil seine Dissertation zu großen Teilen aus fremden Texten besteht - ohne Hinweis.

Auch Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle geht auf Distanz. "Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel", schreibt Häberle in einer Erklärung, die der Zeitung "Die Welt" vorliegt. Guttenberg hatte schwere Fehler eingeräumt, bestreitet aber einen Vorsatz. Der Bayreuther Juraprofessor Oliver Lepsius nannte ihn einen Betrüger. Die Kanzlerin geht nicht von Vorsatz aus. "Die Frage des Betrugs ist eine Frage des Vorsatzes. Diesen Vorsatz hat der Bundesverteidigungsminister verneint. Die Kanzlerin glaubt ihm", sagte ihr Sprecher.

Der Verteidigungsminister sieht seine Arbeit nicht beeinträchtigt. "Ich habe dieses Amt auszufüllen und fülle das mit Freuden auch entsprechend aus", sagte Guttenberg in München. Für kommende Woche kündigte er nächste Schritte bei der Bundeswehrreform an. dpa/dapd