1. Nachrichten
  2. Politik

Schärfere Regeln für die Fleischbranche beschlossen

Kommentar zu schärferen Regeln für Fleischbranche : Im Interesse der Beschäftigten

Es bedurfte erst der Corona-Pandemie und einer damit verbundenen Infektionswelle beim Branchenriesen Tönnies, um in der Fleischindustrie klar Schiff zu machen.

Dabei schreien die schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben seit Jahr und Tag zum Himmel.

Gleichwohl zeigen sich Lobby-Verbände jetzt hoch empört. Von einem Schlag gegen die unternehmerische Flexibilität ist die Rede. Doch was ist das für ein Geschäftsmodell, das die moderne Sklaverei von Werkvertragsarbeitern einkalkuliert, um Fleisch so billig wie möglich zu machen? Werkverträge sind nicht per se schlecht. Aber die Fleischbranche hat maßgeblich dazu beigetragen, sie zu diskreditieren. Das Angebot an der Fleisch-
theke im Supermarkt wird deshalb kaum schrumpfen. Und wer plötzlich die Armen im Land entdeckt, um womöglich steigende Preise für unzumutbar zu erklären, der lenkt davon ab, dass es noch Ärmere gibt – nämlich ausländische Beschäftigte in den Fleisch-Unternehmen.

Man kann nur hoffen, dass der Arbeitsminister seinen Gesetzentwurf rechtssicher ausgestaltet hat und die Union nicht doch noch vor der mächtigen Fleischlobby einknickt. Eine Verwässerung der geplanten Bestimmungen wäre politisch ein Armutszeugnis.