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Saarlandbrigade trauert um getöteten Kameraden

Saarlandbrigade trauert um getöteten Kameraden

Berlin/Zweibrücken. An diesen Anschlag erinnert sich außerhalb der Bundeswehr kaum noch jemand. Zwei Soldaten waren schwer verwundet worden, ein weiterer kam mit leichteren Verletzungen davon, als sich am 6. August 2008 in Kundus ein Motorradfahrer an einem Kontrollpunkt neben einer Bundeswehrkolonne in die Luft sprengte

Berlin/Zweibrücken. An diesen Anschlag erinnert sich außerhalb der Bundeswehr kaum noch jemand. Zwei Soldaten waren schwer verwundet worden, ein weiterer kam mit leichteren Verletzungen davon, als sich am 6. August 2008 in Kundus ein Motorradfahrer an einem Kontrollpunkt neben einer Bundeswehrkolonne in die Luft sprengte. Mittlerweile gibt es so viele Angriffe auf die Bundeswehr am Hindukusch, dass fast nur noch die Todesopfer die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit bekommen. Von den Verletzten hört man dagegen selten noch einmal etwas. Jetzt ist ein junger Mann, der nach SZ-Informationen aus Fulda stammt und bei der Saarlandbrigade in Zweibrücken stationiert war, an den Folgen des Attentats vor 14 Monaten gestorben. Dabei hatten ihn Ärzte und Angehörige schon außer Lebensgefahr gesehen.

Die Zahl der durch den Afghanistan-Einsatz ums Leben gekommenen Bundeswehr-Soldaten erhöht sich damit auf 36. Überwiegend sind es junge Männer, die in deutschem Auftrag für den Frieden in diesem vom Krieg zerstörten Land gekämpft und ihr Leben verloren haben. Das Opfer des von den radikalislamischen Taliban in mörderischer Absicht gesteuerten Motorradfahrers wurde 24 Jahre alt. Er hatte damals zusammen mit seinen Kameraden ein defektes Bundeswehrfahrzeug bergen sollen. Seine Verbrennungen hat er letztlich nicht überlebt.

Unter dem Druck der Verantwortung über Leben und Tod wird die neue Koalition von CDU/CSU und FDP Ende dieser Woche damit beginnen, die Leitlinien für die Militärmission festzulegen. Es ist zu vermuten, dass die Unterhändler eine abermalige Aufstockung des deutschen Kontingents vorschlagen, das mit derzeit 4260 Mann in Afghanistan bald schon wieder an der vom Bundestag erlaubten Obergrenze angelangt ist. Das Parlament hatte das Mandat erst vor einem Jahr auf 4500 Soldaten erhöht. Zwar dementierte das Verteidigungsministerium zuletzt, dass es Pläne gebe, die deutschen Truppen auf 7000 Mann aufzustocken. Doch dass sich Deutschland mehr engagieren muss, erscheint unausweichlich.

Das Drängen der USA, die selbst Tausende zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsandt haben, dürfte der deutsche Verteidigungsminister - ob es Franz Josef Jung (CDU) bleibt oder es ein neues Gesicht auf diesem Posten geben wird - schon beim Antrittsbesuch zu spüren bekommen. Aber auch für den Fall, dass der Bundestag bei der Mandatsverlängerung im Dezember einem möglichen Vorschlag der neuen Regierung folgen und die Zahl der Soldaten noch einmal erhöhen sollte - in den Koalitionsgesprächen wird es dennoch zugleich um die Frage nach dem Ende des Einsatzes gehen. dpa/red

Hintergrund

Nach dem Tod von acht Soldaten der Isaf-Truppen in Ost-Afghanistan hat die Nato in der Region eine Offensive gegen aufständische Taliban gestartet. Soldaten suchten in dem schwer zugänglichen Bezirk Kamdesch nach 13 bei dem Angriff am Samstag entführten afghanischen Polizisten, hieß es. Auch die Bundeswehr wurde gestern nahe Kundus erneut angegriffen. Nach ersten Erkenntnissen des Verteidigungsministeriums wurde kein Soldat verletzt. afp