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Rösler feuert Vize-Regierungssprecher Steegmans

Rösler feuert Vize-Regierungssprecher Steegmans

Berlin. Nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub wird sich Kanzlerin Angela Merkel mit einer heiklen Personalie beschäftigen müssen: Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) wird ihr jemanden vorbeischicken, der einer der beiden stellvertretenden Regierungssprecher werden und den von der FDP benannten bisherigen Amtsinhaber Christoph Steegmans ablösen soll. Die Regierungschefin hat das letzte Wort

Berlin. Nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub wird sich Kanzlerin Angela Merkel mit einer heiklen Personalie beschäftigen müssen: Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) wird ihr jemanden vorbeischicken, der einer der beiden stellvertretenden Regierungssprecher werden und den von der FDP benannten bisherigen Amtsinhaber Christoph Steegmans ablösen soll. Die Regierungschefin hat das letzte Wort. Denn nicht nur der von ihr selbst ernannte erste Sprecher Steffen Seibert, auch die von den kleinen Koalitionsparteien vorgeschlagenen beiden Stellvertreter sind vor allen Dingen für die Kanzlerin tätig. Da sollte die Chemie stimmen.Bei Sabine Heimbach stimmt sie nicht. Die von der CSU benannte Journalistin trat zum Beispiel in diesem Jahr nur zwei Mal vor der Regierungspressekonferenz auf. Die anderen rund 80 Termine teilten sich Seibert und Steegmans. Merkel lässt Heimbach nicht ran an Informationen.

Bei Steegmans, Spitzname Benno, war das von Anfang an anders. Der 40-jährige schlaksige FDP-Mann mit der markant starken Brille hat sich mit Humor und Sachkenntnis schnell das Vertrauen sowohl der Regierungschefin als auch der Hauptstadtjournalisten erworben. Außerdem kann er auch Regierungsdeutsch. Auf die Frage, ob er über seine bevorstehende Ablösung informiert sei, sagte er am Montag: "Der Sache nach sehe ich mich außerstande, Ihre Frage zu beantworten. Ich kann jederzeit ohne Angabe von Gründen aus dem Dienstverhältnis entlassen werden. Das ist mein Status."

Das heißt im Klartext: Steegmans weiß offiziell von nichts. Rösler, der im Mai den Job des FDP-Chefs und Vizekanzlers übernahm, hatte auch gestern noch nicht mit ihm geredet. Wohl aber mit der Kanzlerin. Eine Vorentscheidung fiel am 8. Juni auf dem gemeinsamen Rückflug aus den USA, als Rösler lange mit Merkel sprach. Damals hatte er aber noch keinen Nachfolger parat; außerdem bat Merkel um eine angemessene Übergangszeit, wegen der Probleme mit Heimbach. Die schlechten Umfragewerte für die Liberalen - zuletzt drei Prozent - beschleunigten die Sache in der letzten Woche dann. Rösler wollte Handlungsfähigkeit zeigen. Außerdem misstraut er Steegmans. Am Montag telefonierte der Minister mit der Kanzlerin und kündigte ihr einen konkreten Bewerber an.

Steegmans ist seit Jahren ein enger, wenn nicht sogar der engste Vertraute von Ex-FDP-Chef Guido Westerwelle. Grenzt sich Rösler mit der Personalie bewusst von seinem Vorgänger ab? Nebenbei: zu Lasten des Steuerzahlers, denn Steegmans kann bei einer Entlassung rund 20 Monate lang 71 Prozent seines bisherigen Gehaltes von 10 772 Euro im Monat beanspruchen. Für die These spricht, dass Rösler Steegmans von vornherein keine Chance ließ. Schon kurz nach seiner Wahl deutete er Steegmans in einem Gespräch seine Absichten an. Bald schon wurde der Vizesprecher nicht mehr zu wichtigen FDP-Treffen eingeladen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte über Rösler vor kurzem, dass dieser "nett" sei. Aber der Mann kann auch anders. "So weit der nette Herr Rösler", sagte der Minister einmal selbst. Ins Wirtschaftsministerium holte er sofort nach Amtsantritt seinen engsten Vertrauten Stefan Kapferer (FDP) als Staatssekretär. Und die langjährige Ministeriumssprecherin Beatrix Brodkorb musste hinnehmen, dass ihr ein FDP-Mann aus Nordrhein-Westfalen vor die Nase gesetzt wurde.

Gestern wurde mitgeteilt, dass Brodkorb nun als Sprecherin zu FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wechselt, was den Verdacht nährt, dieser könne an dem Personalpaket mitgedreht haben. Denn Bürderle ist der härteste Westerwelle- und damit auch Steegmans-Gegner.