Probleme im Großstadtrevier

Probleme im Großstadtrevier

Die CDU steht bei Wahlen in Großstädten meist auf verlorenem Posten. Das habe mit den Bewohnern zu tun, sagt der Historiker Paul Nolte. In Berlin hofft die CDU am 18. September auf Erfolg und auf Innensenator Henkel.

Dass die CDU die Oberbürgermeisterposten 2012 in Stuttgart und Frankfurt, 2013 in Wiesbaden und 2014 in Düsseldorf verlor, tat der Partei schon weh. Aber richtig geschmerzt hat Hamburg. Dort büßten die Christdemokraten 2015 im Kampf gegen Regierungschef Olaf Scholz (SPD ) noch einmal sechs Prozentpunkte ein und rutschten auf 15,9 Prozent ab. Großstadt und CDU - das ging für die konservativ-bürgerliche Partei in den vergangenen Jahren meist gründlich schief. In den zehn größten Städten Deutschlands stellt die CDU nur in Essen seit 2015 mit Thomas Kufen wieder einen Oberbürgermeister.

Der Großstadtbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Kai Wegner, wirkte nach Hamburg ein Stück ratlos. "Wir müssen uns fragen, haben wir die richtigen authentischen Köpfe in den großen Städten? Wir müssen uns auch überlegen, ob das Erscheinungsbild der CDU in den großen Städten so modern ist, wie wir gern wahrgenommen werden wollen", sagte er kurz nach dem Hamburger Desaster in einem Fernsehinterview.

Nun steht die CDU in der Hauptstadt vor der nächsten Bewährungsprobe. Am 18. September wird ein neues Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt - Wegners Heimat. Der 43 Jahre alte Bundestagsabgeordnete ist auch Generalsekretär der Berliner CDU . Er rührt für den CDU-Spitzenkandidaten und Innensenator Frank Henkel kräftig die Werbetrommel. Dieser gilt mit schlechten Beliebtheitswerten, magerer Beurteilung seiner Arbeit und Umfragewerten zwischen 17 und 20 Prozent nicht als wahrscheinlicher Wahlsieger.

Wegner steht zu seiner Aussage von 2015, dass die CDU in Städten teils andere Angebote machen müsse als in ländlichen Regionen. Das habe die Berliner CDU beherzigt. Das Wahlprogramm und dessen Präsentation - erstmals auch als Film, abrufbar in den sozialen Netzwerken - sei genau richtig für die Metropole Berlin , sagt der Großstadtbeauftragte. Die CDU besetze das Thema Sicherheit und Sauberkeit sehr gut. Auch die Betreuung der Kinder und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde groß geschrieben. Oder Verkehr: "Im Mobilitätskapitel unseres Wahlprogramms haben wir das Fahrrad ganz nach vorne gestellt, das gab es bei der Berliner CDU so noch nie", sagt Wegner.

Auch aus Sicht des Geschichts- und Kulturwissenschaftlers Paul Nolte hat sich die CDU im Land wie im Bund verändert, ist offener und liberaler geworden. Dafür stehe die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. "Unter Merkel ist die CDU auch für jüngere Frauen, die früher nie CDU gewählt haben, eine Option geworden", sagt der Berliner Professor an der Freien Universität.

Die Erklärung, warum die CDU in Städten schlechter als auf dem Land abschneidet, gelte indes schon seit Jahrzehnten und sei auch keine deutsche Besonderheit, sagt Historiker Nolte. "In Großstädten sammelt sich eine jüngere, tendenziell linke, seit 1980 auch grün-linke Bevölkerung mit starkem ökologischem Bewusstsein, die der CDU nicht sehr zugeneigt ist."

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Hintergrund Die Grünen erhalten nach dpa-Informationen zum zweiten Mal in diesem Jahr kurz vor Landtagswahlen eine Großspende. Demnach überwies der Berliner Anlageberater Jochen Ralf Wermuth insgesamt rund 300 000 Euro für die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin , wo am Sonntag und am 18. September neue Landesparlamente gewählt werden. Rund 270 000 Euro sollen nach Berlin und rund 30 000 in den Nordosten fließen. 300 000 Euro hatte Wermuth im März dieses Jahres auch den Grünen in Baden-Württemberg kurz vor der dortigen Wahl zukommen lassen. Wermuth bestätigte gestern auf Anfrage die Spenden an die Grünen. Die Grünen im Bundestag setzen sich für eine Grenze für Einzelspenden in Höhe von 100 000 Euro ein. Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht wirbt derweil um Protestwähler bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern. "Wer unzufrieden ist, wer eine andere Politik möchte, ist bei der Linken gut aufgehoben", sagte Wagenknecht. dpa