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Paris: Kein Grund zur Sorge nach Atom-Vorfall

Paris: Kein Grund zur Sorge nach Atom-Vorfall

Sainville/Biblis. Zwei Tage nach dem Zwischenfall in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin sieht die Regierung keinen Grund zur Beunruhigung. Die Bevölkerung sei durch die ausgetretene radioaktive Flüssigkeit "nicht unmittelbar" in Gefahr gewesen, sagte Umweltminister Jean-Louis Borloo gestern

Sainville/Biblis. Zwei Tage nach dem Zwischenfall in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin sieht die Regierung keinen Grund zur Beunruhigung. Die Bevölkerung sei durch die ausgetretene radioaktive Flüssigkeit "nicht unmittelbar" in Gefahr gewesen, sagte Umweltminister Jean-Louis Borloo gestern. Die zuständigen Stellen hätten die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die ersten Messungen nach dem Zwischenfall seien "beruhigend".

Die Betreiberfirma der atomaren Entsorgungsanlage an der Rhône wies den Vorwurf zurück, sie haben den Zwischenfall verschleiern wollen. Borloo sagte, er wolle nun die Untersuchungsergebnisse der Atomaufsicht ASN abwarten. Sie wollte am heutigen Freitag eine Pressekonferenz zu dem Vorfall geben. Die Verwaltungsbezirke Vaucluse und Drôme im Südosten des Landes teilten am Mittwochabend mit, der Urangehalt in den Flussläufen sei um ein Drittel zurückgegangen.

Unterdessen soll Block A des Atomkraftwerks Biblis nach dem Willen der Betreiber auch ohne Laufzeitverlängerung bis mindestens 2010 - und damit über die Bundestagswahl hinaus - am Netz bleiben. Der Energiekonzern RWE plant für den ältesten noch laufenden deutschen Atommeiler nächstes Jahr eine 125 Tage dauernde Revision samt Nachrüstung und Modernisierung, sagte Kraftwerkssprecher Frank Staude gestern im südhessischen Biblis. Er bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Mannheimer Morgen". Diese Revision sei schon länger geplant. SPD, Grüne und Linke im Wiesbadener Landtag warfen RWE "Trickserei" vor. Die CDU forderte, den Atomausstieg auf den Prüfstand zu stellen.

Biblis A müsse von Mai bis September 2009 abgeschaltet werden, sagte der Leiter Anlagentechnik des Kraftwerks, Jürgen Haag, der Zeitung. Aufgrund der im Atomgesetz zugestandenen Strommenge dürfte Block A dann noch bis ins Jahr 2010 in Betrieb bleiben. Nach den beim Atomausstieg vereinbarten Restlaufzeiten hätte Biblis A eigentlich bereits 2008 vom Netz gehen müssen. Wegen fehlerhaft eingebauter Dübel wurde der Reaktor jedoch von Herbst 2006 bis Frühjahr 2008 abgeschaltet. So verlängerte sich die Laufzeit bis Herbst 2009 und damit zur nächsten Bundestagswahl.

Die neue Revision würde einen Aufschub bis nach der Regierungsbildung gewähren. "Dass wir damit hinten Laufzeit gewinnen, ist aber auch klar", sagte Staude. Die Hoffnung von RWE auf einen Politikwechsel in der Atom-Frage nach der Bundestagswahl verhehlte Staude aber nicht: "Dahinter steht natürlich auch, dass wir Block A auf einem technischen Stand halten, der es uns erlaubt, ihn weiterzubetreiben, wenn die Politik uns das ermöglicht."

RWE hatte bei Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vergeblich beantragt, mit der Übertragung von Reststrommengen aus Mülheim-Kärlich die Laufzeit für Block A um drei Jahre zu verlängern. Ein Sprecher Gabriels empfahl gestern, den Block nicht weiterzubetreiben und nicht ausgeschöpfte Strommengen auf modernere Reaktoren zu verlagern. afp/dpa