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Papst erlässt Meldepflicht für Missbrauch in der Kirche

Katholische Kirche : Papst erlässt Meldepflicht für Missbrauch in der Kirche

Papst Franziskus hat erstmals für die gesamte katholische Kirche eine Meldepflicht für Fälle sexuellen Missbrauchs erlassen – und damit einen für viele überfälligen Schritt vollzogen.

Für Kleriker und auch für Ordensleute werde ab Juni die Verpflichtung eingeführt, innerhalb der Kirche Missbrauch und Vertuschung umgehend anzuzeigen, teilte der Vatikan am Donnerstag mit. In dem apostolischen Schreiben namens „Vos estis lux mundi“ („Ihr seid das Licht der Welt“) heißt es, die katholischen Diözesen in aller Welt müssten binnen eines Jahres „ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche“ Anlaufstellen für Anzeigen einrichten. In Deutschland existieren diese bereits, wie die Deutsche Bischofskonferenz erklärte. Sie kündigte an, Auswirkungen auf ihre eigenen Leitlinien zu prüfen. Das Dokument befinde sich ohnehin zur Zeit in einer „Phase der Überprüfung“, teilte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, mit.

Opfer kritisierten, dass eine Meldepflicht an staatliche Stellen nicht vorgesehen ist. „Ein gut gemeintes ist noch nicht ein gut gemachtes Gesetz“, sagte der Sprecher des Opferverbands „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch. „Die Kirche darf nicht weiter versuchen, alles alleine ermitteln zu wollen, sondern sobald ein Verdacht glaubhaft besteht, müssen die Staatsanwaltschaften eingeschaltet werden.“ Justizministerin Katarina Barley (SPD) forderte, dass die Kirche bei jedem Hinweis auf Missbrauch unmittelbar Strafanzeige stellen müsse.