Paketbomben offenbaren Dilemma bei der Sicherheit

Paketbomben offenbaren Dilemma bei der Sicherheit

Berlin. Wer mit zu großem Deospray reist, wird bei der Kontrolle am Flughafen sofort entdeckt. Anders war es bei dem Schwarzpulver in der Kurierpost aus Athen: Die explosive Sendung für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde in Athen zwar geröntgt, sie fiel aber nicht auf. Zuständig für die Kontrolle waren die privaten Firmen Brinks und Goldair

Berlin. Wer mit zu großem Deospray reist, wird bei der Kontrolle am Flughafen sofort entdeckt. Anders war es bei dem Schwarzpulver in der Kurierpost aus Athen: Die explosive Sendung für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde in Athen zwar geröntgt, sie fiel aber nicht auf. Zuständig für die Kontrolle waren die privaten Firmen Brinks und Goldair. Gestern sorgte eine weitere Nachricht für Aufregung: Eine der beiden Al-Qaida-Bomben aus dem Jemen, die in Druckern versteckt war, soll nur 17 Minuten vor ihrer Explosion entschärft worden sein.

Beide Fälle offenbaren Probleme, die die Politik nun mächtig in Wallung bringen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert wie die Polizeigewerkschaften und die SPD-Fraktion, die bis 2014 geplante Streichung von 1000 Stellen bei der Bundespolizei rückgängig zu machen. Und ob die internationale Zusammenarbeit besser klappt, wenn auf Druck der Bundestags-Haushälter bei den deutschen Geheimdiensten der Rotstift angesetzt wird, ist ebenfalls fraglich.

Bis heute ist ungeklärt, warum die Deutschen vergangene Woche trotz der Hinweise aus Saudi-Arabien eine der zwei Bomben aus dem Jemen am Flughafen Köln/Bonn noch umluden und den hochgefährlichen, raffiniert versteckten Sprengstoff nach Großbritannien transportieren ließen. Die Lecks sorgen für hektisches Treiben.

Der Sprengstoff PETN (Pentrit oder Nitropenta) fällt laut Experten weder beim Durchleuchten mit Röntgengeräten noch beim Einsatz von Spürhunden auf. Wenn es solche Stoffe gebe, die nur durch Tipps von Geheimdiensten aufzuspüren seien, müsse das ganze Sicherheitssystem hinterfragt werden, sagt der Grünen-Terrorexperte Hans-Christian Ströbele. Dass Kontrollen versagen, stimmt bedenklich. Denn Deutschland ist Hauptumschlagplatz für Luftfracht - 2009 waren es 3,24 Millionen Tonnen.

Die Bundesregierung versucht zu beruhigen. Zumindest das Schwarzpulver-Paket aus Athen sei im Kanzleramt rechtzeitig entdeckt und entschärft worden, heißt es. Aber auch wenn die Attacken griechischer Linksextremisten wegen des von der EU auferlegten Spardiktats temporärer Natur sein mögen, die Dauergefahr durch Al Qaida bleibt.

Deutschland dringt darauf, in der Europäischen Union (EU) ein weiteres Anti-Terror-Paket zu schnüren. Nach den geltenden Sicherheitsregeln für Luftfracht in der EU müssen Pakete von bekannten Absendern nicht mehr durchleuchtet werden. Nur Sendungen von unbekannten, nicht registrierten Absendern werden kontrolliert - aber auch nur am Absendeort, im Fall der Paketbombe an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) also am Flughafen Athen. Allerdings sind Stichprobenkontrollen an deutschen Flughäfen möglich. Die Luftfracht lebt bisher vom Zeitgewinn, deshalb sperrt sich die Wirtschaft.

Hintergrund

Griechische Sicherheitsexperten waren gleich zur Stelle, als gestern eine weitere Paketbombe in Athen gefunden wurde. Foto: dpa.

Die griechische Polizei hat gestern eine weitere Paketbombe entdeckt, die an die französische Botschaft in Athen adressiert war. Pyrotechniker machten das Päckchen mit einer kontrollierten Explosion unschädlich, wie das griechische Fernsehen berichtete. Die Täter hatten als Absender das Erzbistum Athen angegeben. Damit konnten die Behörden inzwischen insgesamt 14 explosive Sendungen sicherstellen. dpa