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Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu gewinnt gegen AKP-Mann Yildirim in Istanbul

Ekrem Imamoglu wird Bürgermeister von Istanbul : Erdrutschsieg gegen Erdogans AKP

Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu hat die Wiederholung der Wahl in Istanbul mit neun Prozentpunkten Vorsprung klar für sich entschieden.

Binali Yildirim ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, wann das Spiel aus ist. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der ersten offiziellen Ergebnisse bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in der türkischen Metropole Istanbul am Sonntagabend tritt Yildirim vor die Kameras – und gesteht seine Niederlage ein. Er gratuliert dem Wahlsieger, dem Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu, zu dessen Erdrutschsieg. Imamoglu hat Yildirim und die Regierungspartei AKP in Istanbul nicht nur geschlagen, er hat sie mit einem Vorsprung von hunderttausenden Stimmen regelrecht gedemütigt. Neben Yildirim heißt der zweite große Verlierer Recep Tayyip Erdogan.

Knapp 54 Prozent der zehn Millionen Wähler in der Riesenstadt haben für Imamoglu votiert, rund 45 Prozent für Yildirim; die verbleibenden Stimmen verteilen sich auf die Kandidaten von kleineren Parteien. Bei der regulären Wahl im März hatte Imamoglu mit einem Vorsprung von weniger als 14 000 Stimmen gewonnen. Jetzt sind es knapp 800 000.

Als Erdogan und die AKP nach der März-Wahl die Wahlkommission so lange unter Druck setzten, bis sie die Neuwahl ansetzte, verärgerten sie damit offenbar viele Wähler. Gegen die Dynamik des 49-Jährigen von der säkularistischen Partei CHP, der linke wie konservative und kurdische Wähler hinter sich vereinigte, hatte Yildirim keine Chance. Nach 25 Jahren unter islamisch-konservativen Bürgermeistern bekommt die größte Stadt der Türkei jetzt mit Imamoglu zwar wieder einen frommen Muslim als Verwaltungschef, aber einen von links der Mitte.

Bewusst grenzt sich Imamoglu nach der Wahl von Erdogans polarisierendem Stil ab: „Dies ist kein Sieg, dies ist ein Neubeginn.“

Für Erdogan ist der Abend nicht nur eine politische, sondern auch eine persönliche Katastrophe. Im Jahr 1994 hatte er seine Karriere als Istanbuler Bürgermeister begonnen – jetzt verliert seine Partei die Herrschaft über seine Heimatstadt, nachdem sie im März bereits die Macht in der Hauptstadt Ankara und anderen Städten verloren hatte.