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Obama besucht Merkel erstmals in Berlin

Obama besucht Merkel erstmals in Berlin

Bislang hat US-Präsident Barack Obama Berlin gemieden. Doch jetzt kommt er Kanzlerin Angela Merkel in der Hauptstadt besuchen. Die beiden haben kein inniges, aber ein respektvolles Verhältnis.

"Die Bundeskanzlerin freut sich sehr auf diesen Besuch", meinte gestern ein Regierungssprecher. US-Präsident Barack Obama wird am 18. und 19. Juni Angela Merkel seine Aufwartung machen. Es ist sein erster Besuch in der deutschen Hauptstadt seit seinem Amtsantritt 2009. Und weil Obama bislang immer einen Bogen um Berlin gemacht hat, hieß es stets, um das Verhältnis der beiden Politiker stehe es nicht sonderlich gut. Tatsächlich hat sich aber in den vergangenen Jahren eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung entwickelt, die eben nur wenig innig ist.

Grundsätzlich gilt: Bei den transatlantischen Beziehungen können die deutschen Konservativen stets gut mit den Republikanern, die Sozialdemokraten mit den Demokraten. Obamas Vorgänger George W. Bush neigte daher schon mal dazu, der Kanzlerin bei einer Konferenz die Schultern zu massieren - was Merkel eher unangenehm gewesen sein soll. Doch ihr Werdegang aus der ehemaligen DDR ins gesamtdeutsche Kanzleramt beeindruckte den Republikaner. Außerdem ist Merkel die Nachfolgerin von Gerhard Schröder (SPD), der zu Bushs Irak-Krieg Nein gesagt hatte. Bush und Merkel - das war also ein besonderes Verhältnis.

Demgegenüber sind der Kanzlerin Obamas Pathos und seine emotionale Wirkung auf Menschen auch heute noch suspekt. Als Präsidentschaftskandidat wollte er 2008 in Berlin eine Rede vor dem Brandenburger Tor halten, um zuhause im Wahlkampf glänzen zu können. Merkel war dagegen, Obama musste an die Siegessäule ausweichen. Das soll er ihr übel genommen haben. Als Präsident kam er dann zweimal nach Deutschland. Jedes Mal mied er die deutsche Hauptstadt, was das Merkel-Lager stets als Affront empfand.

Fragt man heute nach dem Verhältnis beider Seiten, heißt es von Regierungsseite: "Wir arbeiten mit jedem amerikanischen Präsidenten gut zusammen." Fakt ist jedoch: Seit Obama im Weißen Haus ist, wird häufig moniert, dass Deutschland und Europa nicht mehr so im Mittelpunkt der amerikanischen Aufmerksamkeit stehen. Zudem ist man sich uneins bei der Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise. Und es knirscht gewaltig in Handelsfragen. Er hoffe daher, so Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), dass Obamas Besuch auch einen "entscheidenden Schub für ein rasches Zustandekommen des angestrebten Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den USA" bringe.

Merkel und Obama haben sich, so gut es geht, arrangieren müssen. Die Kanzlerin war wiederholt in Washington. Dabei wurden ihr gleich mehrere Ehren zuteil: Sie durfte im Juni 2011 vor dem Kongress sprechen, Obama verlieh ihr die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Und er gab für sie ein Staatsessen im Garten des Weißen Hauses. Die beiden sprechen sich dem Vernehmen nach seitdem mit den Vornamen an.