Noch mehr Zuwachs für die Kitas

Berlin · Immer mehr Eltern in Deutschland bringen ihre Kinder in die Kita. Den Befürwortern der Betreuung zuhause werden die neuen Zahlen ein Dorn im Auge sein. Zumal die Verfassungsrichter bald ein folgenschweres Urteil fällen könnten.

Für die Befürworter des Hausfrauen-Modells sind das schwere Tage. Das Statistische Bundesamt stellt fest, dass die Zahl der Kleinkinder, die in der Kita betreut werden, erneut um 4,8 Prozent gestiegen ist. Am kommenden Dienstag könnte das Bundesverfassungsgericht zudem das einkommensunabhängige Betreuungsgeld kippen. Diese Bezuschussung des traditionellen Familienmodells, die von ihren Gegnern gerne als "Herdprämie" geschmäht wird, hatte die CSU noch zu Zeiten von Schwarz-Gelb durchgesetzt.

Familienpolitikerin Nadine Schön aus Tholey will von solchen ideologischen Debatten nichts wissen. Als Mutter ist sie froh, dass sie für ihr Kind einen guten Kita-Platz gefunden hat. Als CDU-Bundestagsabgeordnete sagt sie: "Ich finde es falsch, dass man sich als Mutter immer rechtfertigen muss, egal wie man es macht. Diese Klischees von der Rabenmutter und dem Heimchen am Herd sind ein wesentlicher Grund dafür, dass wir in Deutschland so wenige Kinder haben."

Insgesamt zeigt sich bei den Zahlen zur Kita: Die Unterschiede zwischen Ost und West, progressiv und konservativ lösen sich langsam auf. Der Nachholbedarf ist zwar in einigen westdeutschen Städten immer noch groß. Doch im Vergleich zu früher, wo ohne Hüte-Oma oder sehr viel Geld gar nichts ging, hat sich die Situation dort schon sehr verbessert. Und auch in Kreisen, wo Alleinerziehende selten und die Zahlen der Kirchgänger hoch sind, geben Eltern ihre Kinder heute ohne tuschelnde Nachbarn und schlechtes Gewissen in die Kita. "Kitas werden stärker als bisher als Ort wahrgenommen, wo Kinder mit Gleichaltrigen spielen können und wo sie ergänzend zur Familie in ihrer Entwicklung begleitet und gefördert werden", heißt es aus dem Haus von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD ).

Sollte Karlsruhe nächste Woche wirklich zu dem Schluss kommen, dass der Bund das Betreuungsgeld nie hätte einführen dürfen, weil das eigentlich Ländersache wäre, ist eine Neuauflage der alten gesellschaftspolitischen Grabenkämpfe allerdings nicht ganz auszuschließen. Denn die CSU hat sich überlegt, dass man das Problem dann gerne lösen würde, indem künftig einfach die Länder die 150 Euro pro Monat verteilen.

Doch dieser Vorschlag löst nicht nur bei Schwesig wenig Begeisterung aus. Auch Franziska Brantner (Grüne) findet: "Sollte das Bundesverfassungsgericht das Betreuungsgeld kippen, sollte das dadurch eingesparte Geld in die Kita-Qualität investiert werden." Sie betont: "Die Kinder haben ein Recht auf Bildung, nicht nur auf Betreuung."

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