Nicht zu hoch hängen

Meinung:Nicht zu hoch hängen

Von SZ-MitarbeiterJochen Wittmann

Ein Messerstecher hat in der Londoner U-Bahn drei Menschen angefallen. Damit ist passiert, was Sicherheitskräfte in London befürchteten, als sie die Warnstufe "Severe" - also ernst - für London verhängten. Und es war - so scheint es - eine Racheaktion für britische Militärschläge gegen den IS in Syrien.

Offiziell gilt die Tat als ein Akt des Terrorismus. Doch sofort darauf zu schließen, dass hinter dem Anschlag tatsächlich eine Ideologie steht, die darauf gerichtet ist, die westliche Gesellschaft zu zerstören, dafür ist es zu früh. Der Täter könnte auch einfach ein psychisch gestörter Mensch sein. Extrem und bösartig, aber nicht unbedingt ein Terrorist vom Kaliber der Pariser Attentäter. Deshalb ist es gut, dass die öffentliche Reaktion verhalten und abwartend ausfiel. Bevor nicht bewiesen ist, dass es sich bei dem Täter um mehr als einen Wirrkopf handelt, sollte man die Tat nicht zu hoch hängen. Denn für die Beziehungen zwischen der muslimischen Gemeinde in Großbritannien und dem Rest der Bevölkerung ist es brandgefährlich, wenn die Terrorgefahr leichtfertig hochgeredet würde. Das ist auch im Sinne britischer Muslime. Sie machten gestern klar, dass diese Tat rein gar nichts mit ihrem Glauben zu tun hat.