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Nach klarem „Nein“ zum Sparkurs: Athen will schnelle Verhandlung

Nach klarem „Nein“ zum Sparkurs: Athen will schnelle Verhandlung

Griechenlands Regierung sieht sich durch das Referendum über den von den Euro-Partnern geforderten Sparkurs gestärkt für neue Verhandlungen. Bei der Auszählung zeichnete sich ein klarer Sieg für das „Nein“ ab.

Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit haben die Griechen per Volksabstimmung die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgeschmettert. Nach Auszählung von knapp zwei Dritteln der abgegebenen Wahlzettel stimmten gut 61 Prozent mit "Nein" und unterstützten damit den Konfrontationskurs von Ministerpräsident Alexis Tspiras. Nur knapp 39 Prozent sprachen sich gestern dafür aus, unter den Konditionen der Geldgeber weiter zu verhandeln, wie das Athener Innenministerium gestern Abend mitteilte. Tsipras hatte seinen Landsleuten versprochen, ein mehrheitliches "Nein" stärke seine Verhandlungsposition.

Tsipras telefonierte noch am Abend mit dem französischen Präsidenten François Hollande , wie griechische Medien berichteten. Hollande will heute in Paris mit Kanzlerin Angela Merkel über die Konsequenzen aus dem Referendum beraten. Die italienische Regierung sprach sich bereits für neue Verhandlungen mit Griechenland aus. Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel reagierte mit scharfer Kritik an der griechischen Regierung. "Tsipras und seine Regierung führen das griechische Volk auf einen Weg von bitterem Verzicht und Hoffnungslosigkeit", sagte Gabriel dem Berliner "Tagesspiegel". "Mit der Absage an die Spielregeln der Eurozone , wie sie im mehrheitlichen Nein zum Ausdruck kommt, sind Verhandlungen über milliardenschwere Programme kaum vorstellbar", sagte er. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärte gestern Abend: "Die linken Erpresser und Volksbelüger wie Tsipras können mit ihrer schmutzigen Tour nicht durchkommen."

Kurz nach Schließung der Wahllokale feierten Hunderte Gegner des Reformprogramms auf den Platz vor dem Parlament in Athen. Viele Griechen machen die Gläubiger aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank und deren Sparvorgaben für die dramatische Lage im eigenen Land verantwortlich.

Die griechische Regierung hatte bis zuletzt im scharfen Tonfall die Position der Geldgeber kritisiert. "Was man mit Griechenland macht, hat einen Namen: Terrorismus", sagte Finanzminister Gianis Varoufakis vor dem Referendum der spanischen Zeitung "El Mundo". Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz rechnet damit, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Die Griechen seien nicht bereit gewesen, den "harten Weg der Reformen" zu beschreiten. > e, Meinung