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Moskau spricht von „geplanter Provokation“

Moskau spricht von „geplanter Provokation“

Nach dem Abschuss eines Kampfflugzeugs durch die Türkei will Russland nicht militärisch antworten. Aber politisch und wirtschaftlich stellt Moskau die gesamte Zusammenarbeit mit Ankara auf den Prüfstand.

Am Tag nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe hat Moskau Ankara eine "geplante Provokation" vorgeworfen. Der überlebende Pilot gab derweil an, seine Maschine sei "nicht eine Sekunde" aus Syrien in den türkischen Luftraum eingedrungen und er sei auch nicht gewarnt worden. Die Gefahr einer militärischen Eskalation schien aber gebannt: Beide Seiten versicherten sich ihrer friedlichen Absichten. Sein Land werde gegen die Türkei "keinen Krieg führen", sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow .

Es gebe aber "ernsthafte Zweifel" daran, dass der Abschuss "spontan" erfolgt sei. Moskau werde seine Beziehungen zur Türkei "ernsthaft überprüfen". Zum Zeitpunkt des Abschusses flogen nach Angaben des türkischen Botschafters bei der Uno, Halit Cevik, zwei russische Kampfjets gut zwei Kilometer in den türkischen Luftraum hinein und hielten sich dort 17 Sekunden lang auf. Ein US-Militärvertreter bestätigte dies; es sei aber unklar, ob die türkische Luftwaffe während der Luftraumverletzung geschossen habe oder erst, als die russischen Maschinen wieder über Syrien waren. Der überlebende russische Pilot stellte die Lage gestern eindeutig dar: Er könne "vollständig" ausschließen, dass er in türkischen Luftraum eingedrungen sei, sagte Konstantin Murachtin. Er konnte von einem Militärhubschrauber gerettet werden, nachdem er auf syrischem Boden mit seinem Fallschirm gelandet war. Der zweite Pilot wurde nach russischen Militärangaben nach seiner Landung in Syrien getötet.

Die Türkei bemühte sich gestern sichtlich um Deeskalation. Die Beziehungen zu "unserem Freund" Russland sollten nicht gefährdet werden, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu . Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte: "Wir haben nicht die Absicht, diesen Zwischenfall hochzuspielen."

In Moskau versammelten sich aufgebrachte Demonstranten vor der türkischen Botschaft und schlugen vor den Augen der russischen Polizei Fenster ein. An der Kundgebung beteiligten sich mehrere hundert Demonstranten, zumeist Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Ungeachtet des Abschusses setzte die russische Luftwaffe ihre Angriffe im Norden der syrischen Provinz Latakia fort.

Unterdessen nehmen im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine die Spannungen wieder zu. Kiew sperrte gestern den Luftraum für russische Flugzeuge. Es handele sich um eine Reaktion auf die "aggressiven Handlungen" Moskaus, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk zur Begründung.

Kurz vor der Entscheidung hatte der russische Energiekonzern Gazprom seine Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt, da Kiew die vereinbarten Vorauszahlungen nicht überwiesen hatte. Der Schritt war allgemein erwartet worden, nachdem die Ukraine mitgeteilt hatte, vorerst kein weiteres russisches Gas zu benötigen. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte in Moskau: "Es gibt weder neue Vorauszahlungen noch neue Bestellungen. Deshalb haben wir die Lieferungen eingestellt." Er sprach von "ernsten Risiken" für die Versorgung Westeuropas.