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Mit Warnstreiks zum Erfolg

Mit Warnstreiks zum Erfolg

Pünktlich zum 1. Mai kann Verdi-Chef Bsirske punkten. Im Tarifkonflikt um den öffentlichen Dienst holen die Gewerkschaften ein deutliches Lohnplus heraus. Warnstreiks zeigten ihre Wirkung.

Die Warnstreik-Strategie der Gewerkschaften ist aufgegangen. Für Aufsehen sorgte Verdi vor allem mit den Ausständen an mehreren Flughäfen. In der dritten Verhandlungsrunde dann holten Verdi und der Beamtenbund dbb gestern Abend in Potsdam ein deutliches Lohnplus von 4,75 Prozent bis 2017 heraus.

"Unverhältnismäßig" hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU ) die Ausstände vor allem an den Flughäfen noch genannt, als er ins Verhandlungshotel in Potsdam kam - nicht nur lästig, sondern rechtlich fragwürdig. Zehntausende Flugreisende waren betroffen, aber auch den Nahverkehr, Kitas und andere Bereiche des öffentlichen Lebens hatte Verdi bestreikt. Die Aktionen zeigten: An sensiblen Bereichen kann Verdi mächtig Druck erzeugen. Die Organisation präsentiert sich als aktiv - notfalls kann sie auch das ganz große Besteck herausholen und Erzwingungsstreiks machen. Das Risiko: Je stärker die Gewerkschafter das Land lahmlegen, desto eher kann sich Stimmung auch schnell gegen Verdi richten. Jetzt, da auch noch die IG Metall Warnstreiks ausgerufen hat, könnten viele bald genug von gewerkschaftlichen Machtproben haben.

Die Drohung einer Ausweitung der Ausstände stand in Potsdam von Anfang an im Raum. Doch rechtzeitig vor Anbruch des 1.-Mai-Wochenendes sickerte durch, dass es 2,4 Prozent mehr Geld 2016 und 2,35 mehr 2017 geben soll. Auch beim Zankapfel Altersvorsorge hat man sich in der Spitzengruppe der Verhandler geeinigt. Beobachter werteten es als Erfolg für Bsirske und Co. Die Beratungen der rund 100-köpfigen Tarifkommissionen von Verdi zogen sich dennoch noch mehrere Stunden hin. Auch die kommunalen Arbeitgeber des Verbands VKA und der Beamtenbund dbb mussten noch zustimmen.

Die nun geplante Lohnerhöhung liegt deutlich über dem ursprünglichen Angebot der Arbeitgeber von einem Prozent mehr für 2016 und zwei Prozent für 2017. Die Gewerkschaften hatten insgesamt sechs Prozent für zwölf Monate verlangt.