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Mit Pässen des IS nach Deutschland?

Mit Pässen des IS nach Deutschland?

Die Terrormiliz IS hat bei ihrem Eroberungszug in Syrien im großen Stil Pässe erbeutet. Nun sollen in Deutschland Flüchtlinge mit solchen Dokumenten aufgetaucht sein. Hat der IS sie geschickt?

In Deutschland sollen etwa ein Dutzend Flüchtlinge mit falschen syrischen Pässen eingereist sein, die aus der gleichen Quelle stammen wie jene zweier IS-Attentäter von Paris. Das berichtete die "Bild" gestern unter Berufung auf Informationen aus Kreisen der Bundesregierung. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU ) bestätigte, dass mehrere Personen mit falschen Papieren aus Syrien ins Land gekommen seien, bei denen ein "Anfangsverdacht" auf Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat bestehe.

Zwei der Attentäter bei den Anschlägen von Paris am 13. November sollen vom IS als Flüchtlinge nach Europa eingeschleust worden seien. Sie waren auf dem Weg nach Frankreich auf der griechischen Insel Leros kontrolliert worden. Nun sind laut "Bild" Ausweispapiere mit den gleichen Fälschungsmerkmalen aufgetaucht wie bei den Dokumenten der beiden Männer. Dabei handele es sich um gestohlene Original-Pässe aus der IS-Hochburg Al-Rakka, die von Fälschern auf andere Identitäten ausgestellt worden seien. Angesichts der Vielzahl an erbeuteten Pässen weisen Sicherheitskreise aber darauf hin, dass eine Einreise mit falschen Papieren aus einer IS-Quelle keineswegs zwingend bedeuten muss, dass die jeweilige Person vom IS geschickt wurde.

Die Pässe der etwa ein Dutzend Flüchtlinge seien vor den Pariser Anschlägen bei der Einreise nach Deutschland vorgezeigt worden, meldete das Blatt. Fingerabdrücke der echten oder vermeintlichen Flüchtlinge seien nicht genommen worden. Die deutschen Behörden wüssten nicht, wo die Eingereisten sich aufhielten.

Indessen wurde eine Schätzung bekannt, wonach der IS trotz einiger aufsehenerregender Erfolge in diesem Jahr in Syrien und im Irak große Gebietsverluste erlitten hat. Das sogenannte Kalifat schrumpfte zwischen Januar und dem 14. Dezember um rund 12 800 auf nun 78 000 Quadratkilometer, wie der militärische Branchendienst "IHS Jane's Conflict Monitor" mitteilt. Dies entspreche einem Minus von rund 14 Prozent.

Viel Territorium ging demnach im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei an kurdische Einheiten verloren. Im Irak waren es unter anderem die Stadt Tikrit, die Stadt Baidschi samt der großen Erdölraffinerie dort sowie ein Teil der wichtigen Verbindungsstraße zwischen Mossul und der IS-Hochburg Al-Rakka, was der Analyse zufolge den Transport von Gütern und Kämpfern erschwert. Gebietsgewinne verzeichnete die Miliz bei ihrem Vorstoß im Westen Syriens, unter anderem über die historische Oasenstadt Palmyra.

Gestern begann ein neuer Vorstoß gegen den IS: Irakische Einheiten starteten im Westen des Landes mit einem Großangriff auf das Zentrum von Ramadi, strategisch wichtige Hauptstadt der Provinz Al-Anbar. Die Armee habe den Fluss Euphrat überquert und sei in Innenstadtviertel vorgedrungen, erklärte ein Sprecher. Flugzeuge der US-geführten internationalen Koalition flogen intensive Angriffe.