Merkel legt sich mit den bayrischen Löwen an

München · Wegen des Streits in der Flüchtlingspolitik ist das Verhältnis zwischen Kanzlerin Angela Merkel und der CSU gespannt wie seit Jahren nicht. Beim CSU-Parteitag in München prallen die gegensätzlichen Positionen aufeinander.

An Duellen mangelt es auf diesem CSU-Parteitag in München nicht. Bei den Christsozialen nennt man das "Schmutzeleien". Da wäre die Auseinandersetzung zwischen Parteichef Horst Seehofer und seinem Finanzminister Markus Söder . Und da wäre die Fehde um die Flüchtlingspolitik mit Angela Merkel (CDU ), der nicht mehr allzu beliebten Kanzlerin. Nur noch höflich ist der Applaus, als sie am Nachmittag die Messehalle betritt - ein Zeichen des Missmuts. Merkel reagiert jedoch unbeirrt, mehr noch: In der Höhle des bayerischen Löwen legt sie sich ausgerechnet mit dem Löwen an.

Auch Horst Seehofer tritt beim Parteitag selbstbewusst auf. Der CSU-Chef kann es sich leisten: In den Umfragen ist die Zustimmung zu ihm und seinem Kurs in der Flüchtlingspolitik beträchtlich. "89 Prozent der CSU-Wähler sagen Ja zu meiner Politik", betont er stolz. Das gab es noch nie. Vor wenigen Monaten war Seehofer noch als "lahme Ente" verspottet, 2018 will er die Macht abgeben. Doch die Krise hat den CSU-Chef quasi auferstehen lassen. Dazu passt sein Satz: "Realität schafft Einsichten." Das kann man durchaus auch auf die Duelle dieses Tages beziehen. Seinen Finanzminister hat Seehofer öffentlich abgekanzelt, nachdem Söder mal wieder schneller, lauter und eindeutiger nach den Anschlägen in Paris Position bezogen hatte. Auf dem Parteitag verteidigt sich der Gescholtene, heizt den Konflikt aber nicht weiter an. In der Sache sind beide sowieso nah beieinander. "Es wird an einer Begrenzung und damit Obergrenze für die Zuwanderung kein Weg vorbeiführen", sagt Seehofer. Das sieht auch Söder so. Im Leitantrag, den die rund 1000 Delegierten beschließen, wird eine Obergrenze für die Flüchtlingszahl ab 2016 gefordert.

Ein Signal soll insbesondere Angela Merkel geben. Sie soll sich fügen, auch sie soll die Realität zur Einsicht bringen. Das ist der Kern des zweiten Duells - die CSU kämpft gegen die CDU-Chefin. "Ich denke und hoffe, dass wir gute Gastgeber sein werden", betont Seehofer zwar noch, bevor die Kanzlerin in der Messehalle ankommt. Am Unmut der Parteigänger ändert das allerdings nichts. Denn immer noch kommen Tausende Flüchtlinge täglich über die Grenze nach Bayern. Bei der Debatte um den Leitantrag wird der Frust deutlich. So schreit der Delegierte Willibald Schels vom Ortsverband Gaimersheim: "Es muss etwas geschehen!" Die CSU-Landesgruppe im Bundestag sei nicht nur dazu da, "unserer Kanzlerin die Steigbügel zu halten". Jubel brandet auf, das ist die Stimmung der Basis. Und das ist die Stimmung, die Merkel erwartet.

Vereinzelt werden Plakate hochgehalten, als die Kanzlerin eintrifft - "Zuwanderung begrenzen", ist zu lesen. Der Applaus ist nicht frenetisch wie früher. Aber Merkel lässt sich nicht beeindrucken. Sie sei gerne gekommen, betont sie. Dann kommt sie zur Sache: Man habe in der Flüchtlingskrise erhebliche Fortschritte gemacht, die Dinge besser zu koordinieren und zu steuern. Merkel spricht von einer "Mega-Herausforderung" durch die "vielen, vielen Flüchtlinge ". Man müsse alle Kraft auf eine europäische Lösung setzen. "Mit diesem Ansatz schaffen wir es im Unterschied zu Obergrenzen, im Interesse aller zu handeln." Das ist eine deutliche Absage an die Forderung der Bayern. Stille in der Halle. 21 Minuten dauert die Rede, nur ein Teil der Delegierten erhebt sich danach.

Dann geht Horst Seehofer ans Podium. Er betont, Integration könne nur gelingen und die Zustimmung der Bevölkerung erhalten bleiben, "wenn wir zu einer Obergrenze kommen". Es wird gejubelt. Der Konflikt wird jetzt auf offener Bühne ausgetragen, Merkel steht neben Seehofer, guckt verkniffen drein. "Wir sehen uns zu diesem Thema wieder", droht er dann. Merkel habe selber mal gesagt, man sei sich noch immer einig geworden. "Wenn das das Motto für die nächsten Wochen ist, dann bist du wieder herzlich eingeladen", grient der CSU-Chef.

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