Mehr als nur Shalom für Israel

Berlin. Niemand konnte damit rechnen, dass die gestrige Debatte des Bundestages zum 60. Geburtstag des Staates Israel zu einer Sternstunde des Parlaments werden würde

Berlin. Niemand konnte damit rechnen, dass die gestrige Debatte des Bundestages zum 60. Geburtstag des Staates Israel zu einer Sternstunde des Parlaments werden würde. Doch die Redner aller Fraktionen zeigten einen Grad an Informiertheit und Differenziertheit, dass der auf der Tribüne zuhörende israelische Gesandte Ilan Mor (Foto: dpa) nur noch staunen konnte: "Es ist beeindruckend." Das, was laut SPD-Fraktionschef Peter Struck "deutsche Staatsräson" ist, das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und auch die historische deutsche Verantwortung für das Land, betonten alle Redner.

Aber es war schon so etwas wie eine selbstverständliche Basis, von der aus die Argumentation vielfach tiefer ging. Ob das Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) war, der mehr "Empathie", also Gefühl für das Leben in Israel verlangte. Oder FDP-Chef Guido Westerwelle, der dafür sogleich ein Beispiel lieferte, als er schilderte, welche Empfindung von "Verletzlichkeit" er gehabt habe, als er auf den Golan-Höhen unten dieses kleine Land sah. Oder Kerstin Müller von den Grünen, die sich daran erinnerte, wie sie einmal als Staatssekretärin just in Tel Aviv ankam, als dort bei einem Anschlag 21 junge Israelis starben. "Jede demokratische Regierung der Welt muss und wird alles versuchen, um ihre Bevölkerung davor zu schützen".

Müller machte aber auch darauf aufmerksam, dass laut Umfragen die Mehrheit der Deutschen keinesfalls eine besondere Verantwortung für Israel empfindet. Dieser Widerspruch zwischen der Haltung der politischen Klasse und den Menschen beschäftigt auch den Gesandten Mor. Er will nun zusammen mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft überlegen, was man tun kann. Etwa mehr Jugendaustausch.

Die bemerkenswerteste Rede hielt Petra Pau (Foto: dpa) von der Linkspartei: Das Menschenrecht auf Leben habe nach dem Holocaust das Existenzrecht Israels begründet. "Wer dieses Existenzrecht in Frage stellt, der rüttelt am Lebensrecht von Juden." Sie setzte sich damit klar von jenen in ihrer Partei ab, die die Hamas oder die Hisbollah gleichrangig behandeln wollen. "Nationale Befreiungsbewegungen, die mit Attentaten Unschuldige morden, sind für mich keine Menschenrechtsgruppen", sagte sie. Einig waren sich fast alle: Eine atomare Bedrohung Israels, etwa durch den Iran, dürfe man nicht zulassen. Und Europa müsse alles tun, um den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern. "Wir wünschen Israel zum 60. Geburtstag vor allem Frieden", sagte Steinmeier. Pau ergänzte: "Das jüdische Shalom und das arabische Salam müssen zusammenkommen".

Oben auf der Tribüne saßen Studenten aus Sderot, nahe am Gaza-Streifen. Der Ort wird ständig von der Hamas mit Raketen beschossen. Unglücklicherweise konnten die Studenten nicht verstehen, was geredet wurde, denn der Bundestag hatte ihnen zwar Kopfhörer gegeben, der Übersetzer begann aber erst gegen Ende der Debatte mit seiner Arbeit. Der 22-jährige Yakov Masiah aber bekam den Grundtenor mit und staunte: "Die reden alle pro Israel. Sonst werden wir überall in der Welt nur kritisiert."

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