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Markus Lanz belebt "Wetten, dass..?" neu

Markus Lanz belebt "Wetten, dass..?" neu

Berlin/Düsseldorf. Um 23.27 Uhr stand fest: Markus Lanz (43) hat ein gutes Stück Tradition fortgesetzt. Der neue Moderator des ZDF-Showklassikers "Wetten, dass..?" überzog die ohnehin schon auf drei Stunden angesetzte Sendung bei seiner Premiere in Düsseldorf am Samstagabend um exakt zwölf Minuten

Berlin/Düsseldorf. Um 23.27 Uhr stand fest: Markus Lanz (43) hat ein gutes Stück Tradition fortgesetzt. Der neue Moderator des ZDF-Showklassikers "Wetten, dass..?" überzog die ohnehin schon auf drei Stunden angesetzte Sendung bei seiner Premiere in Düsseldorf am Samstagabend um exakt zwölf Minuten. Er trat zumindest in dieser Beziehung bestens in die Fußstapfen seines Vorgängers Thomas Gottschalk (62), der zeitgleich in der Show "Das Supertalent" auf RTL zu sehen war, wenngleich auch nicht live.

Ansonsten, so bewies der erste Auftritt des Südtirolers, klafft noch eine Lücke zwischen den beiden Show-Alphatieren, denn im Vergleich zu Gottschalk mit seinem Hang zum großen Glamour wirkte Lanz wie ein fleißiges Arbeitsbienchen, das noch nach der passenden Wabe sucht.

Der Debütant hatte sich bei der Premiere durch eine Menge Material zu kämpfen. Zuweilen wirkte es so, dass Lanz Getriebener des neuen, engeren und auf Vielfalt getrimmten ZDF-Konzeptes wurde. Erst später in der Sendung befreite er sich von der Last und gewann zunehmend an Sicherheit. Da glich "Wetten, dass..?" auch wieder "Wetten, dass..?"

Als zunächst dickes Problem erwies sich für Lanz die Vielzahl der Gäste: Gleich zu Beginn der Show, nachdem der mehr als zweiminütige Applaus beendet war, versammelten sich alle prominenten Paten - unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, das Paar Sylvie und Rafael van der Vaart, Sänger Rolando Villazón, Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Modeschöpfer Karl Lagerfeld - auf der neuen Couch. Unruhe kam auf. Lanz suchte nach Orientierung, wetzte hin und her, die Kamera musste ihn gelegentlich suchen. Zuweilen kauften ihm der lustige Möhring und die als Assistentin fungierende forsche Cindy Marzahn den Schneid ab.

Lanz trug zunächst auch nicht zur Ruhe bei. Er redete zu viel und traf mit Dauergesprächspartner Lagerfeld neben ihm auch nicht gerade auf den dankbarsten Verbalakrobaten. Lanz zu Lagerfeld: "Wie machen Sie einen drauf?" Das mache er nicht, sagte der Stargast. "Ich muss 24 Stunden arbeiten."

Sylvie van der Vaart fragte Lanz, wie denn Wohnwagenbewohner in Holland hießen. "Campers", lautete ihre Antwort. "Gambas?" gab Lanz zurück. Lanz leistete auch körperlich zu viel: Zwischendurch stemmte er 30 Liegestütze mit einer Kiste Bier auf dem Rücken - das muss ein cooler Moderator nicht unbedingt.

Doch Hektik hin, Hektik her. Mit der Zeit wurde aus "Wetten, dass..?" wieder ein Schuh. Zwar misslang die erste Wette noch, als ein Kandidat auf einem Seil stehend per Fallrückzieher Fußbälle ins Tor befördern wollte, dann aber runterfiel. Doch die anderen Wetten glückten meist: Ein Junge kannte sich bestens im Berliner S-Bahn-Netz aus, eine Hundefriseurin erkannte die Rassen ihrer Schützlinge am Haar, ein Mann konnte seiner Wett-Partnerin per Ohrenwackeln zumorsen. Das passte alles. Lanz, der inzwischen sein Jackett ausgezogen hatte und in Weste moderierte, gewann an Souveränität, aber noch nicht an großem Glanz.

Und es klappte auch mit der Stadtwette: An die 500 Düsseldorfer waren dem Ruf gefolgt, sich an dem Spektakel zu beteiligen. Mit nackten Leibern (abgesehen vom Unterhöschen) sollten sie rot und weiß bemalt das Emblem des Fußball-Bundesligaclubs Fortuna Düsseldorf nachbilden. Das große Gemälde gelang - für Lanz mit etwas Umstand verbunden: Denn weil er die Wette verlor, muss der "Wetten, dass..?"-Zampano nun im Fortuna-Düsseldorf-Trikot um den Kölner Dom laufen. Die Aufmerksamkeit der Boulevard-Presse ist ihm sicher, so wie gestern das der Zuschauer. Während Gottschalk und Bohlen mit der RTL-Sendung "Das Supertalent" 4,57 Millionen Zuschauer sammelten, schalteten bei Lanz 13,62 Millionen ein. Das von ZDF-Intendant Thomas Bellut vorgegebene Ziel von acht Millionen Zuschauern schaffte Lanz damit locker. "Das war ein gelungenes Debüt", frohlockte Bellut. Lanz sei "genau der richtige Mann" für die erfolgreichste Fernsehshow Europas. "Das war ein gelungenes Debüt."

ZDF-Intendant

Thomas Bellut

Hintergrund

Die "Wetten, dass..?"-Premiere von Moderator Markus Lanz am Samstagabend hat bei der Netzgemeinde ein unterschiedliches Echo gefunden. "Ich finde das Format wesentlich frischer als vorher, Markus Lanz ist sympathischer als Gottschalk", schrieb ein Nutzer des sozialen Netzwerks Twitter. "Eine Sendung voller Pleiten, Pech und Pannen", befand ein anderer Nutzer.

Die ZDF-Show bestimmte stundenlang die Diskussion im Netzwerk. In Hunderten Nachrichten kommentierten Zuschauer jeden Aspekt der Sendung, von den Wetten ("Bin ich schon besoffen oder fährt der Traktor schief?") bis zum Auftritt der weiß geschminkten A-cappella-Gruppe Voca People ("Oh, jemand hat die Blue Men Group in die Waschmaschine gesteckt"). Auch das ZDF lud die Menschen auf seiner Webseite zum Diskutieren ein. Hier berichteten Nutzer jedoch zwischenzeitlich von technischen Problemen. dapd