Mahnende Worte im Dauerregen von Rom

Vatikanstadt · Im Dauerregen hat der Papst die Ostermesse gefeiert. Dabei erinnerte er an die Kriege in der Welt, vor allem in Syrien und im Irak. Seine Forderung: Die Weltgemeinschaft müsse endlich mehr tun.

Der Heilige Geist hat es gut gemeint mit den fliegenden Händlern aus Afrika und Bangladesch, die bei schlechtem Wetter am Petersplatz billige Schirme an die Touristen verkaufen. "Wer denkt bei Ostern in Rom schon an Dauerregen ", sagt Albert Moosbach aus Passau. Zwei Stück hat er für sich, seine Frau und die beiden Kinder erstanden. Trotz der widrigen Verhältnisse ist der Tag für den Katholiken ein Höhepunkt. "Wir wollten eigentlich schon letztes Jahr kommen. Als Franziskus vor ein paar Wochen dann ein kurzes Pontifikat angekündigt hat, dachte ich sofort: schnell hin."

Ermüdungserscheinungen zeigt der 78-jährige Papst bei dieser wetterbedingt eher dünn besuchten Ostermesse, seiner dritten als Kirchenoberhaupt, nicht. Obwohl seit Gründonnerstag ein Liturgie-Marathon hinter ihm liegt. In diesem Jahr standen die Feiern in Rom besonders im Zeichen der mörderischen Christenverfolgung durch die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien , aber auch an anderen Orten der Welt. Auch in seiner Ansprache vor dem Ostersegen "Urbi et orbi" auf der Mittelloggia des Petersdoms eröffnet er den traurigen Reigen der weltweiten Konflikte mit einem Blick auf den Nahen Osten - und einem Appell: Die internationale Gemeinschaft müsse endlich handeln "angesichts der immensen Tragödie im Inneren dieser Länder und des Dramas unzähliger Flüchtlinge".

Es war nicht die erste Mahnung an die Welt während dieser Ostertage. Schon am Karfreitag hatte der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa den Westen wegen seiner Untätigkeit kritisiert: Der wasche seine Hände in Unschuld wie einst Pilatus. Und Franziskus selbst sagte beim anschließenden Kreuzweg am Kolosseum, wer zum Leid verfolgter Christen schweige, mache sich zum "stillen Komplizen". Am gleichen Tag hatte er wegen des Massakers an fast 150 Menschen durch Islamisten ein Trauertelegramm an die kenianische Bischofskonferenz senden müssen. Seit seiner Aufforderung im vergangenen August, den "ungerechten Aggressor" im Nahen Osten zu stoppen, hat Franziskus jedoch im Unklaren gelassen, mit welchen Mitteln dies geschehen dürfe, wenn nicht mit massiver Gewalt.

In seiner Ansprache erinnert der Papst auch an die Konflikte in Libyen und Nigeria, im Jemen und in der Ukraine. Er bittet um eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern und sieht am weltpolitischen Horizont zumindest einen Hoffnungsschimmer: Das Atomabkommen mit dem Iran möge "ein endgültiger Schritt hin zu einer sichereren und geschwisterlicheren Welt" sein, fleht er: "Wer die Kraft Gottes in sich trägt, braucht keine Gewalt, sondern handelt und spricht mit der Kraft der Wahrheit."

Franziskus prangert den Waffenhandel an, dessen Profiteure "am Blut verdienen", erwähnt die Leidtragenden von Menschenhandel und Drogen-Elend, erinnert an Kranke und Gefangene, Migranten und misshandelte Kinder. "Fürchtet euch nicht, ich bin auferstanden und werde immer bei euch sein", zitiert der Papst das Versprechen Jesu - die Menschen unter ihren Schirmen und Regenjacken applaudieren ihm zu und rufen seinen Namen.

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HintergrundKardinal Reinhard Marx , der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat ein falsches Freiheitsverständnis in der Moderne beklagt. Das gesellschaftliche Leitbild der Freiheit werde in Europa und im Westen durch reines wirtschaftliches Gewinnstreben und Egoismus korrumpiert, sagte der Münchner Erzbischof in seiner Osterbotschaft. "Eine Freiheit, die sich bindungslos entfaltet und die orientiert ist am ökonomischen Profit, läuft ins Leere und schlägt um in Unfreiheit und blinde Anpassung", mahnte er. "Ein solches Verständnis von Freiheit kann nur in die Krise kommen und ist letztlich zerstörerisch." Auch andere Bischöfe bezogen zu Ostern gegen Egoismus, Gewalt und soziale Kälte Position. Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann rief dazu auf, den Glauben im Alltag trotz Unglücken und Krisen nicht zu verlieren. dpa

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