Letzter serbischer Kriegsverbrecher gefasst

Belgrad. Der letzte vom UN-Tribunal gesuchte serbische Kriegsverbrecher ist gefasst: Gestern ging den Ermittlern der 52-jährige Goran Hadzic nördlich von Belgrad ins Netz. Hadzic werden als Führer der serbischen Minderheit in Kroatien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zur Last gelegt

 Goran Hadzic soll für den Tod hunderter Menschen verantowrtlich sein. Foto: dpa

Goran Hadzic soll für den Tod hunderter Menschen verantowrtlich sein. Foto: dpa

Belgrad. Der letzte vom UN-Tribunal gesuchte serbische Kriegsverbrecher ist gefasst: Gestern ging den Ermittlern der 52-jährige Goran Hadzic nördlich von Belgrad ins Netz. Hadzic werden als Führer der serbischen Minderheit in Kroatien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zur Last gelegt. Erst vor wenigen Wochen war der berüchtigte Serben-General Ratko Mladic verhaftet und ans UN-Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag ausgeliefert worden. Serbien habe einen "Beitrag zur internationalen Gerechtigkeit geleistet", lobte Außenminister Guido Westerwelle.Kroatiens Regierungschefin Jadranka Kosor sprach von einer "guten Nachricht für die ganze Menschheit und die Welt, vor allem aber für Kroatien". Hadzic wird unter anderem für ein Massaker im ostkroatischen Vukovar während des Bürgerkriegs in Kroatien (1991-1995) verantwortlich gemacht. Dabei wurden 264 Kroaten ermordet.

"Heute Morgen um 8.24 Uhr ist er verhaftet worden", sagte Serbiens Staatspräsident Boris Tadic gestern vor Journalisten in Belgrad. Mit der Auslieferung von mehr als 30 mutmaßlichen Kriegsverbrechern habe Serbien "seine internationale Verpflichtung erfüllt". Das sei "moralische Pflicht" des Balkanstaates gewesen. Hadzic hatte schon 2004 verhaftet werden sollen. Er war jedoch gewarnt worden und hatte fliehen können. Vorwürfe aus dem Ausland, Serbien habe ihn versteckt, seien "absolut unwahr", sagte Tadic. "Serbien wusste nicht, wo er ist."

Schmerzhaftes Kapitel

Die EU-Kommission und auch die Nato begrüßten Hadzics Verhaftung. "Nach der Übergabe von Ratko Mladic an Den Haag kann mit dieser Festnahme nun das schmerzhafteste Kapitel der jüngsten europäischen Geschichte geschlossen werden", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Mladic, der Militärführer der bosnischen Serben, war Ende Mai verhaftet worden. Der "Schlächter vom Balkan" wartet auf den Beginn seines Prozesses im UN-Tribunal in Den Haag.

Die Festnahme Hadzics sei "ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte des Tribunals", sagte Chefankläger Serge Brammertz in Den Haag. "18 Jahre nach seiner Schaffung können wir sagen, dass keine der angeklagten Personen einem juristischen Verfahren vor dem Gerichtshof entgangen ist." EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einem weiteren wichtigen Schritt Serbiens "hin zur Verwirklichung seiner europäischen Perspektive". Der polnische Regierungschef und EU-Ratspräsident Donald Tusk meinte, die Chancen der Balkanländer auf eine EU-Mitgliedschaft seien jetzt gestärkt worden. Die Verhaftung von Hadzic war eine Bedingung der EU für eine weitere Annäherung Serbiens an Brüssel. Jetzt hofft Belgrad, bis zum Jahresende zum offiziellen EU-Beitrittskandidaten ernannt zu werden.

Die saarländische CDU-Europaabgeordnete und langjährige Vorsitzende der Delegation des Europäischen Parlaments zu den Staaten Südosteuropas, Doris Pack, hat die Verhaftung Hadzics, begrüßt: "Die Verhaftung von Goran Hadzic ist ein ermutigendes Zeichen für die Opfer, dass die Täter nicht ungestraft davon kommen. Zudem ist es ein wichtiges Signal des Wandels innerhalb Serbiens." dpa/red