Lauter Lob für Land und Leute

Lauter Lob für Land und Leute

Schönes Wetter, warme Worte, viel zum Sehen und Staunen: Das Saarland zeigte sich beim Besuch von Bundespräsident Gauck und Botschaftern aus aller Welt von seiner besten Seite.

Dass Joachim Gauck ausgerechnet gegen eine der wichtigsten Saarland-Regeln verstoßen würde, war bereits vorher klar. Und es gab niemanden, der dem Bundespräsidenten diesen Fauxpas ernsthaft übel nahm. Doch es war dann eben doch Punkt 14 Uhr, und nicht - wie im Saarland üblich - 12 Uhr, als der Präsident, die Prominenz des Landes und gut 180 Botschafter aus aller Welt sich dem Mittagessen widmen konnten.

Zuvor allerdings hatte Gauck in der Gebläsehalle der Völklinger Hütte mit derart viel Saarland-Wissen geglänzt, dass man annehmen kann, dass er bei seinem nächsten Besuch das "Um zwölf gebbt gess" berücksichtigen wird. Diesmal aber war das nicht möglich, zu vollgepackt war das Programm der "Informations- und Begegnungsreise", die die Bundespräsidenten seit 1996 organisieren, um Diplomaten aus aller Herren Länder die Schönheiten der Republik zu zeigen. "Die Welt zu Gast bei Freunden" war also in Anlehnung an das Fußball-Sommermärchen 2006 das inoffizielle Motto des Besuchs.

Wahrhaft märchenhaft war dazu das Wetter, da konnte bei der hochrangigen Reisegesellschaft eigentlich nur gute Laune aufkommen. In der Tat erinnerte das Ganze manchmal an eine Klassenfahrt. Allerdings - wie erwähnt - eine mit engem Zeitplan. Sechs Stationen in elf Stunden, von St. Ingbert im Osten bis zur Saarschleife im Nordwesten: Gauck, im Januar 76 Jahre alt geworden, hatte sich und seinen Gästen einiges zugetraut bei der allerersten Reise dieser Art ins Saarland.

Womöglich war diese Premiere einer der Gründe, warum Gauck Land und Leute mit Lob überschüttete - angefangen von der Kochkunst der Saarländer bis hin zu ihrem Erfindergeist. Eine "ausgezeichnete Wahl" sei das diesjährige Ziel, meinte der Präsident, um seine Meinung dann mit zwei Zitaten zu unterstreichen. Das eine stammt von einem seiner Vorgänger, Richard von Weizsäcker , der einst sprach: "Die Saarländer leben uns vor, wie man gleichzeitig ein guter Saarländer, ein guter Deutscher, ein guter Europäer und ein guter Nachbar sein kann." Das zweite Zitat, aus der Feder von Ludwig Harig , treffe den Kern der saarländischen Art, erklärte das Staatsoberhaupt: "Das Leben und das Lebenkönnen, das Leben und das Lebenlassen." Ein gutes Motto sei das, so Gauck, von den Saarländern könne man was lernen.

Zumal von ihrem Grenzgänger-Dasein, ihrer Freundschaft zu den Franzosen. Es war der Moment, als Gauck auf dieser eher ungezwungenen Reise klare politische Aussagen traf. Als er den Diplomaten vom benachbarten Schengen erzählte und von seiner Bedeutung für die Bewegungsfreiheit in Europa, wurde er ernst. Wer die kriegerische Geschichte Europas kenne, wer die Folgen dieser Geschichte am Beispiel des Saarlandes studiere, der wisse, wie wichtig das Schengener Abkommen war und ist. "Diese Freizügigkeit wollen wir uns erhalten", betonte Gauck. Zugleich machte er aber deutlich, dass Europa in der Flüchtlingskrise eine "große Verantwortung" habe. Und: "Die Kriege und Konflikte mahnen uns Europäer, unser politisches und wirtschaftliches Gewicht früher und gezielter zur Bewältigung globaler Herausforderungen einzusetzen."

Trotz der vielen Gäste aus aller Welt blieb Weltpolitik gestern ein Randthema. Nach einer Besichtigung der Firma Festo zum Auftakt des Tages und einem Stopp im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz stand - um Punkt 14 Uhr - ein Mittagessen im Weltkulturerbe Völklinger Hütte auf dem Programm, an dem auch saarländische Prominente teilnahmen. Neben Noch-Theater-Chefin Dagmar Schlingmann , dem Völklinger OB Klaus Lorig oder IHK-Präsident Richard Weber durfte auch Arbeitskammer-Chef Hans Peter Kurtz das Drei-Gänge-Menü von Sternekoch Alexander Kunz (unter anderem Kalbshüfte an Riesling-Weißkohl) genießen. "Wichtig fürs Land, eine Imagewerbung par excellence", nannte Kurtz den Besuch der vielen Gäste. OB Lorig durfte sogar vis-à-vis des Präsidenten sitzen. Er nutzte die Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto aus nächster Nähe.

Die Welt zu Gast im Saarland: Botschafter aus 180 Ländern waren gestern mit Gauck auch in Mettlach unterwegs. Foto: Becker&Bredel. Foto: Becker&Bredel

Diese Chance bekam später völlig unverhofft auch Hermann Schön aus St. Wendel-Bliesen. Er wurde gestern 75, war mit seiner Frau gemütlich in Saarburg unterwegs, hörte im Radio vom Gauck-Besuch und stand dem Staatsoberhaupt plötzlich in Mettlach leibhaftig gegenüber. Ein kurzes Händeschütteln, ein gemeinsames Foto, nett sei Gauck gewesen, meinte Schön: "Richtig volksnah."

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